Frankfurter Neue Presse, Dienstag, 3. September 2013

Vom Abendkleid zum Dirndl

Von Georgia Lori
Von Schlager bis Oper: Mezzosopranistin Stefanie Schaefer beweist Wandlungsfähigkeit in der Burg

Zum, „Salongezwitscher“ lud die Mezzosopranistin Stefanie Schaefer in die Burg.
Sie präsentierte Lieder über Liebe und Leidenschaft aus Oper, Operette und Musical.

Bad Vilbel. 
Mit ihrem warmen üppigen Mezzo ließ die gebürtige Frankfurterin musikalisch keine Wünsche offen. Ihr zur Seite standen Alina Schaefer und Bariton Christian Grygas. Pianistin Britta Elschner überzeugte besonders im zweiten Teil mit einem Klaviersolo. Das Eis zum Publikum war schnell gebrochen.

Verführung und Humor

Als Mezzosopranistin stand Schaefer musikalisch eine breite Auswahl an Charakteren zur Verfügung. Da gab sie den verführenden Vamp (Gehen wir ins Chambré separée), spielte die trotzige Frau (Benjamin, ich hab nichts anzuzieh’n) oder sang dramatisch-amüsante Partien (Wart’s nur ab, Henry Higgins). Dem Publikum gefiel Schaefer dank ihres Humors, ihrer übermütigen Fröhlichkeit und mit ihrem kecken Gehabe. Mit flüssigen Übergängen zwischen Gesang und Rede, Schauspiel und Tanz bot Schaefer einen intensiven Vormittag, mit einem Potpourri schönster Melodien.

Wohldurchdacht präsentierten sich die Übergänge der Liedabfolge: Als Schaefer gespielt wütend von der Bühne stapft, während sie das Lied „Benjamin ich hab nichts anzuzieh’n“ singt, sinnt Grygas im nächsten Lied „Ich fahr mit meiner Klara in die Sahara“ aus verletztem Stolz über Mordgedanken nach.

Foto: Georgia LoriStefanie (links) und Alina Schaefer faszinierten mit Stimme und Stil. Foto: gia

Für Erstaunen sorgten die unterschiedlichen Garderoben wie Abendkleider und Dirndl und die schnelle Wandlungsfähigkeit Schaefers, die ohne Mühe in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfte. Da geschah es schon einmal, dass sie Grygas bei einem Wettstreit um den längsten Ton zwischen Sopran und Bariton aus dem Konzept bringen konnte und er spicken musste, wie es im Programm weiterging. Großen Wiedererkennungswert boten „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ aus Stürme der Leidenschaft und „Ich gehöre nur mir“ aus Elisabeth. Letzteres Lied wurde von Alina Schaefer vorgetragen. Auch in „Hello little girl“ und „My heart will go on“ konnten die Zuhörer das Gesangstalent des Teenagers bewundern. Für Amüsement sorgte das Zwölf-Uhr-Läuten. „Vielleicht sollten wir das nächste Mal den Küster einladen, dass die Glocken nicht läuten!“, sagte Schaefer amüsiert über die fünfminütige Unterbrechung des Programms.

Der emotionalen Höchstanstrengung im ersten Teil folgten nach der Pause musikalische Auszüge aus dem Barbier von Sevilla, der Dreigroschenoper, Cosi fan tutte, Salonmusik mit Schlagern der 20er bis 50er Jahre sowie ein Potpourri. „Ich bin heute das zweite Mal in Bad Vilbel, genieße oft die Festspiele in Bad Hersfeld“, sagte Brigitte Stroh aus Niedermittlau. Sie lobte das sehr gute Ambiente, die authentische, impulsive Darstellung Schaefers sowie die guten Dialoge.

Tolle Ausstrahlung

„Bariton und Mezzosopran ergänzen sich hervorragend mit einer gewissen Leichtigkeit. Das ist schon was“, sagte Heinz von Lipzig aus Bad Vilbel. Operettenfan Uwe Reimer aus Bad Vilbel-Heilsberg gefiel besonders die tolle Ausstrahlung von Stefanie Schaefer. „Ich bin ganz begeistert, sehe die Künstlerin zum ersten Mal“, bestätigte auch seine Ehefrau Marianne. Karin Pawlak aus Mainz besuchte gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Schwager die Sonntagsmatinee. Sie hörte sich vorab im Internet Hörproben an. „Die Vielfalt der Darstellung ist toll, die Übergänge sind hervorragend“, lobte sie.