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SÜDKURIERSÜDKURIER


Sonntag, 17. Februar 2013

  Händel-Festspiele mit Kontrastprogramm 


von Martin Roeber

 

Foto: Falk von TraubenbergHändel war bereits erblindet, als er 1757 die dritte und letzte Fassung seines Oratoriums einem Assistenten diktierte. «Der Sieg von Zeit und Wahrheit» diskutiert die alte Frage der Vergänglichkeit. 

Zeit, Wahrheit, Schönheit, Täuschung und Vergnügen erscheinen personifiziert auf der Bühne, liefern sich musikalische Gefechte. Das Textbuch beruht auf einer Dichtung von Kardinal Benedetto Pamphili (1653-1730) - und so ist der Ausgang klar: Die Schönheit gibt klein bei. Der eigentlich als sinnenfroh geltende Händel lieferte mit seinem Alterswerk ein moralinsaures Finale. 

Da die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik am Badischen Staatstheater in Karlsruhe die szenische Aufführung verhinderte, konnte sich das Publikum ganz auf die herrliche Musik des Barockmeisters konzentrieren. Und da zeigte sich ein Händel, ganz ohne Pauken und Trompeten. Die Badische Staatskapelle unter Richard Baker musizierte das mit hinreißender Sensibilität. Die Streicher glänzten mit homogenem Klang und zauberten immer wieder farbliche Nuancen, unterstützt von den Oboen. Das Solistenensemble (Joshua Bloom, William Purefoy, Anna Patalong, Stefanie Schaefer, Sebastian Kohlhepp) sang auf Festspielniveau und schlug dramatische Funken aus einem spröden Text. 




Fotos zu dieser Aufführung: 
Foto: Falk von Traubenberg 
Täuschung