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Kölner Stadt Anzeiger 
Montag, 02. April 2007
  Gute Idee schwach ausgeführt

Wuppertaler Bühnen vermochten nicht vollkommen zu überzeugen



 


VON GERHARD BAUER, 29.04.07

"Carmen" als Stück der Stühle, Stellwände und Schattenspiele.

So erscheint Georges Bizets berühmte Oper in jener Produktion, mit der die Wuppertaler Bühnen im Forum gastierten. Francois de Carpentries (Regie), Siegfried E. Meyer (Bühnenbild) und Karine van Hercke (Kostüme) arbeiteten mit einer frei ersonnenen Rahmenhandlung: In einer Gerichtsverhandlung versuchen die Zigeuner eine Rekapitulation und Rekonstruktion des Dramas, erscheinen dabei nicht nur als handelnde Masse, sondern auch als Ankläger, Tatzeugen, Prozesskiebitze, Kolporteure und Kommentatoren des grausigen Geschehens.

Inkonsequent Das Konzept überzeugt als Idee stärker als in der Ausführung. Das karge Mobiliar wird zwar sehr sinn- und bildkräftig eingesetzt, in seiner Wirkung aber immer wieder durch platte mimisch-gestische Klischees aus Opas Oper unterlaufen. Ob den Machern für eine durchgehend strenge Stilisierung das letzte Quäntchen Mut dann doch gefehlt hat? 

Die Arie als Zeugenaussage beim Lokalaugenschein etwa - warum eigentlich nicht? Schließlich kennt man in der Opernwelt von heute "Eugen Onegin" auch als Tatjanas Traum, "La Traviata" als Violettas Tagebuch oder "Aida" als Hirngespinst einer Putzfrau. Die musikalische Seite der Aufführung hatte zwei Glanzpunkte: Stefanie Schaefer (Carmen) und Kay Stiefermann (Escamillo). Hier ein satter, farbiger Mezzo mit reicher emotionaler Skala, dort ein frei strömender, großer Kavaliersbariton. ... Bei den mittleren und kleinen Partien gab es manches Licht (Joslyn Rechter als Mercedes), aber daneben auch viel Schatten ... zu einem gut Teil wohl Schuld der fragwürdigen Akustik. Ein genuiner Raum für Musiktheater ist das Forum, man weiß es nicht erst seit heute, ganz sicher nicht. 




Fotos zu dieser Aufführung: 
Foto: Jörg Lange 
Carmen