Der Neue Merker Logo


Der Neue Merker
 
Dienstag, 24. Mai 2005

WERTHER

Jules Massenet Werther
Schauspielhaus Wuppertal Premiere 20. Mai 2005

 

Anm.: In dem Artikel werden die Aufführungen WERTHER und ARABELLA rezensiert, der Artikel wurde auf die WERTHER Passagen gekürzt!

... Werther und Arabella, wo liegt da die Gemeinsamkeit werden Sie Sich fragen? Beides sind Randstücke der Repertoires und sind eher selten zu Gast auf deutschen Bühnen. Interessant war dieses Wochenende unter dem Aspekt, dass beide Bühnen zur Zeit in Ausweichquartieren spielen, in denen die Möglichkeiten der Bühnentechnik beschränkt sind und daher eine Konzentration auf das Wesentliche, das eigentliche Theater möglich ist. 

Susanne Boetius und Jürgen Tamchina zeigen einen Werther, in dem nicht so sehr die Natur, sondern das Gefühl der Protagonisten die Hauptrolle spielt. Boetius und Tamchina konzentrieren sich auf den inneren Konflikt Charlottes und der sie umgebenden Personen und verleihen so dem Werk eine neue, innere Tiefe. Albert ist einmal nicht ein widerlicher Despot sondern ein Mann, der in Wirklichkeit mit seiner Frau leidet und somit eine noch nie erlebte Aufwertung erfährt und auch Sophie ist endlich einmal nicht nur die gesichtslose Stichwortgeberin, hier entwickelt sie einen eigenen Charakter. Hans Dieter Schaals nüchternes Bühnenbild und Erika Lanterdingers Kostüme rücken die Handlung aus der empfindsam-spießigen Betulichkeit in eine beklemmende Stille, der einzig die handelnden Personen Wärme und Kraft verleihen. 

Edgardo Zayas ist ein tiefsinniger Werther, dem man allerdings etwas mehr Stimmkraft wünschen darf. Glücklicherweise teilt er sich die Partie klug ein und forciert nicht. Ihm zur Seite die überragende Stefanie Schaefer, die eine ausgefeilte Charakterstudie der leidenden Charlotte bietet und mit ihrem warmen, üppigen Mezzo keine Wünsche offenläßt. Kay Stiefermann ist ein liebevoller Ehemann mit kernigem Bariton, Michaela Maria Mayer lässt als Sophie mit glockenhellem Sopran aufhorchen.

Enrico Delamboye entlockt dem Sinfonieorchester Wuppertal einfühlsame, nahezu impressionistische Farben und rückt die Partitur stellenweise in die Nähe Debussys. Ein Dirigat dieser Qualität zu hören ist ein großes Glück. Schade für Wuppertal, dass sich Delamboye zum Ende der Spielzeit schon wieder verabschiedet, er geht nach Köln und bleibt so zumindest dem interessierten Zuhörer erhalten. ... 



Fotos zu dieser Aufführung: 
Foto: Milena Holler 
Charlotte