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Das adelt den wenig eleganten Text

Stefanie Schaefer war als Titelrolle in der B-Premiere des „Fantasio“ in Karlsruhe Star des Abends

Die szenische Uraufführung der wiederentdeckten und quellenkritisch neu editierten Jacques-Offenbach-Oper „Fantasio“ hätte dem Badischen Staatstheater die Möglichkeit geboten, international auf sich aufmerksam zu machen. Doch Bernd Mottl, der vor zwei Jahren einen originellen „Vetter aus Dingsda“ vorlegte, kann mit dem Sujet offensichtlich wenig anfangen. Das muss man auch in der B-Premiere bitter erfahren. Statt auf Ironie und tiefere Bedeutung setzt er auf Klamauk und Klischees. Dabei bietet das Libretto viele Möglichkeiten; kaum vorstellbar welche Funken beispielsweise ein Regisseur wie Laurent Pelly aus dem Stück geschlagen hätte.

Bei Mottl scheint die Aussage des Stückes indes in den klischeehaft vorgeführten bayerischen Eigenheiten zu liegen. Allerdings bietet die holprige und mit unnötigen Modernismen angereicherte Übersetzung von Carsten Golbeck auch kaum Inspiration, überhaupt steht die Entscheidung für eine deutschsprachige Aufführung der überregionalen Beachtung im Wege.

Ein wirklicher Gewinn für die Produktion war hingegen die Verpflichtung des Dirigenten Andreas Schüller, der die Besonderheiten der Opéra comique wunderbar herausarbeitete und nie in eine überholte Operettenroutine verfiel. Besonders das zarte Vorspiel zum zweiten Akt zeigte die Nähe zu Offenbachs Meisterwerk „Hoffmanns Erzählungen“. Leider schienen einige Orchestermusiker

    

 ihr Mitwirken an der B-Premiere eher als Dienst nach Vorschrift zu verstehen und geistig bereits beim „Rosenkavalier“ des Folgetages zu weilen.

Im Mittelpunkt des Interesses standen indes fünf neu besetzte Hauptpartien. Geblieben waren Dennis Sörös als Spark, der die eher unscheinbare Partie zu einer Hauptrolle aufwertete und Gabriel Urrutia Benet als überzeugender Prinz von Mantua.

Neu waren Matthias Wohlbrecht als Marinoni, der insgesamt etwas gewitzter wirkte als sein Vorgänger Klaus Schneider, dieser punktet jedoch mit dem schöneren Tenor. Luis Molz blieb als König von Bayern szenisch und stimmlich blass, Kristina Stanek als Flamel dagegen hinterließ mit schönem Mezzo einen positiven Eindruck. Zwar „motzt“ keine so schön wie Ina Schlingensiepen, doch Jennifer Riedel war als Prinzessin eine höchst überzeugende Zweitbesetzung: Natürlich in der Darstellung, angenehm im Timbre und dazu eine bis in die Höhe leicht geführte Stimme.

Zum Star des Abends wurde jedoch Stefanie Schaefer in der Titelrolle. Hier verschmolz eine Sängerin stimmlich und darstellerisch - aber auch stilistisch - so vollkommen mit ihrer Rolle, dass sie selbst den insgesamt wenig eleganten deutschen Text adelte. Warum man ihr die A-Premiere vorenthielt, bleibt eine der großen Ungereimtheiten dieser Produktion.

Manfred Kraft