Online Musik Magazin
| Eugen
Onegin
Lyrische Szenen in drei Akten Musik von Peter I. Tschaikowsky Libretto nach Alexander Puschkin von Peter I. Tschaikowsky und Konstantin Schilowski In deutscher Sprache nach
der Übersetzung von Wolf Ebermann und Manfred Koerth
Premiere im Operhaus Wuppertal
Der Bär und der Traum von der großen Liebe Von Meike
Nordmeyer / Fotos von Milena Holler
Junge heftige Verliebtheit kann in peinliche
Situationen bringen - das muss Tatjana bitter erfahren. Wie kindlich und
unerfahren Tatjana eben noch ist, aber auch wie sehr das Gefühl der
Liebe immer mit Schwärmerei für ein Idealbild zu tun hat, zeigt
uns Regisseur Ulrich Hub mit seiner im einfachen, farbigen Raum ausgestalteten
Inszenierung. Markanteste Ausstattung ist der lebengroße Bär,
der mehrfach auf die Bühne kommt. Es ist nicht mehr der niedlich harmlose
Teddybär der Kinderzeit, aber auch nicht gerade die wilde Bestie,
die sich da zu Tatjana setzt. Das Mädchen lehnt sich schwärmerisch
und natürlich melancholisch an dieses pelzige, gestaltgewordene Irgendwas
ihrer pubertären Wünsche. Lustig wird es dann noch, wenn das
Tier drollig mit der Musik mitwippt.
Da
sitzt Tatjana (Friederike Meinel) nun mit ihrem Bär, während
die Schwester mit Freund Lenski knutscht.
Wirkungsvoll eingesetzt wird diese Idee
mit dem Bären, sie bleibt aber merkwürdig folgenlos, so wie der
Regisseur mit so einigen Ideen spielt, die aber in der Umsetzung eher unverbunden
und - so sehr auch um Bedeutung bemüht - doch eher an der farbig polierten
Oberfläche bleiben. Prägend sind da noch die beiden großen
Projektionen mit der die Idealisierung des Liebesobjektes gelungen ins
Bild gesetzt wird. Während Tatjana in der Nacht ihr Liebesgeständnis
aufschreibt, erscheint ein riesiges Bild von Eugen Onegin auf der Rückwand
und zeigt den Angebeten als feschen, nachdenklich sinnenden jungen Mann.
Wird später Eugen Onegin um die Liebe von Tatjana flehen, so erscheint
ihr Bild im Hintergrund und zeigt sie als erwachsene, würdig schöne
Frau.
Das junge Ensemble spielt recht bewegt
im reduzierten Bühnenraum, entwickelt dabei allerdings kein besonders
ausdrucksstarkes Profil der Figuren. Am wirksamsten erscheint da noch der
Eugen Onegin, den Kay Stiefermann als jungen eleganten Lebemann und Schönling
sehr präsent verkörpern kann. In der Nebenrolle fällt Hartmut
Bauer als Fürst Gremin auf. Der jahrzehnte erfahrene Sängerdarsteller
weiß instinktiv sicher, sich auf der Bühne zu verhalten. Die
von der Regie entwickelte Personenführung kann dagegen nicht überzeugen,
wenn sie überbetonte Lustigkeit bei Olga zeichnet oder den beseelten,
ständigen Posenwechsel, den Tatjana in ihrer langen Briefszene veranstaltet.
Immer wieder zeigen die Protagonisten dabei altbekannte, pathetische Operngesten.
So fällt Tatjana vor Eugen Onegin auf die Knie und klammert sich an
seine Waden. Regisseur Hub erarbeitete mit der Inszenierung
seine erste Opernregie. Mit jungen, frischen Blick geht er an das Werk
und setzt spielerisch an. Doch bleibt er offenbar befangen dem Genre gegenüber,
denn er verfällt in Unsicherheiten und unötige, althergebrachte
und bemühte Floskeln des Opernrepertoires. Die Regiearbeit wartet
mit einigen guten Ideen auf, findet aber nicht eine Linie mit Tiefgang,
es gelingt allenfalls ein immerhin originelles und vielfach ansprechendes
Sammelsurium.
Präsentes
Spiel von Kay Stiefermann als Eugen Onegin und Hartmut Bauer als Fürst
Gremin
Musikalisch lassen die Darsteller solide
Leistung hören. Friederike Meinel als Tatjana bringt sicher und mit
stimmiger Gestaltung die Tatjana. Die Briefszene bleibt etwas blass, doch
bewegend gelingt das Schlussduett gemeinsam mit Kay Stiefermann als Eugen
Onegin. Stiefermann bietet mit beweglicher, kultiviert geführter Stimme
einen stattlichen, wohltönenden Onegin. Pieter Roux entwickelt als
Lenski tenoralen Schönklang, der mitunter etwas zu breit eingesetzt
wird und sich damit nicht ganz sensibel in die vielen fein gearbeiteten
Ensemblestellen einpasst. Die bekannte Arie "Wohin, wohin" vor dem Duelltod
bringt er mit großem Pathos, das er gestalterisch nicht ganz einholt.
Gute Leistung erweisen auch Stefanie Schäfer als Olga und Hartmut
Bauer als Fürst Gremin. Klangvoll und engagiert erklingt der Chor.
Das Orchester spielt mitunter etwas unpräzise,
kann sich schließlich aber zu dichten Klang zusammenfinden. Das Dirigat
von Martin Braun entwickelt die Partitur lebendig und farbreich, zeigt
sich allerdings etwas unentschieden, wenn es viele Passagen fein gewirkt
kammermusikalisch ausarbeitet und sich dann sogleich wieder aufschwingt
zu großen Klangprospekten. Insgesamt gelingt aber eine recht anspruchsvolle
Ausführung des Orchesterparts, von dem die Sänger gut getragen
werden.
FAZIT
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ProduktionsteamMusikalische LeitungMartin Braun Inszenierung
Bühnenbild
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Chor
Chor und Extrachor
SolistenLarinaAnna Maria Dur Tatjana
Olga
Filipjewna
Eugen
Onegin
Lenskij
Fürst
Gremin
Hauptmann
Saretzkij
Triquet
Weitere
Informationen
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