Online Musik Magazin
Eugen Onegin 
Lyrische Szenen in drei Akten
Musik von Peter I. Tschaikowsky
Libretto nach Alexander Puschkin 
von Peter I. Tschaikowsky und Konstantin Schilowski 

In deutscher Sprache nach der Übersetzung von Wolf Ebermann und Manfred Koerth 

Premiere im Operhaus Wuppertal
am 22. November 2002 

Der Bär und der Traum von der großen Liebe 

Von Meike Nordmeyer / Fotos von Milena Holler 

Junge heftige Verliebtheit kann in peinliche Situationen bringen - das muss Tatjana bitter erfahren. Wie kindlich und unerfahren Tatjana eben noch ist, aber auch wie sehr das Gefühl der Liebe immer mit Schwärmerei für ein Idealbild zu tun hat, zeigt uns Regisseur Ulrich Hub mit seiner im einfachen, farbigen Raum ausgestalteten Inszenierung. Markanteste Ausstattung ist der lebengroße Bär, der mehrfach auf die Bühne kommt. Es ist nicht mehr der niedlich harmlose Teddybär der Kinderzeit, aber auch nicht gerade die wilde Bestie, die sich da zu Tatjana setzt. Das Mädchen lehnt sich schwärmerisch und natürlich melancholisch an dieses pelzige, gestaltgewordene Irgendwas ihrer pubertären Wünsche. Lustig wird es dann noch, wenn das Tier drollig mit der Musik mitwippt. 
Szenenfoto

Da sitzt Tatjana (Friederike Meinel) nun mit ihrem Bär, während die Schwester mit Freund Lenski knutscht.

Wirkungsvoll eingesetzt wird diese Idee mit dem Bären, sie bleibt aber merkwürdig folgenlos, so wie der Regisseur mit so einigen Ideen spielt, die aber in der Umsetzung eher unverbunden und - so sehr auch um Bedeutung bemüht - doch eher an der farbig polierten Oberfläche bleiben. Prägend sind da noch die beiden großen Projektionen mit der die Idealisierung des Liebesobjektes gelungen ins Bild gesetzt wird. Während Tatjana in der Nacht ihr Liebesgeständnis aufschreibt, erscheint ein riesiges Bild von Eugen Onegin auf der Rückwand und zeigt den Angebeten als feschen, nachdenklich sinnenden jungen Mann. Wird später Eugen Onegin um die Liebe von Tatjana flehen, so erscheint ihr Bild im Hintergrund und zeigt sie als erwachsene, würdig schöne Frau. 
SzenenfotoDie jungen Leute rühren verlegen in ihren Tassen - was die Liebe wohl erwarten lässt?

Das junge Ensemble spielt recht bewegt im reduzierten Bühnenraum, entwickelt dabei allerdings kein besonders ausdrucksstarkes Profil der Figuren. Am wirksamsten erscheint da noch der Eugen Onegin, den Kay Stiefermann als jungen eleganten Lebemann und Schönling sehr präsent verkörpern kann. In der Nebenrolle fällt Hartmut Bauer als Fürst Gremin auf. Der jahrzehnte erfahrene Sängerdarsteller weiß instinktiv sicher, sich auf der Bühne zu verhalten. Die von der Regie entwickelte Personenführung kann dagegen nicht überzeugen, wenn sie überbetonte Lustigkeit bei Olga zeichnet oder den beseelten, ständigen Posenwechsel, den Tatjana in ihrer langen Briefszene veranstaltet. Immer wieder zeigen die Protagonisten dabei altbekannte, pathetische Operngesten. So fällt Tatjana vor Eugen Onegin auf die Knie und klammert sich an seine Waden. 

Regisseur Hub erarbeitete mit der Inszenierung seine erste Opernregie. Mit jungen, frischen Blick geht er an das Werk und setzt spielerisch an. Doch bleibt er offenbar befangen dem Genre gegenüber, denn er verfällt in Unsicherheiten und unötige, althergebrachte und bemühte Floskeln des Opernrepertoires. Die Regiearbeit wartet mit einigen guten Ideen auf, findet aber nicht eine Linie mit Tiefgang, es gelingt allenfalls ein immerhin originelles und vielfach ansprechendes Sammelsurium. 
Szenenfoto

Präsentes Spiel von Kay Stiefermann als Eugen Onegin und Hartmut Bauer als Fürst Gremin

Musikalisch lassen die Darsteller solide Leistung hören. Friederike Meinel als Tatjana bringt sicher und mit stimmiger Gestaltung die Tatjana. Die Briefszene bleibt etwas blass, doch bewegend gelingt das Schlussduett gemeinsam mit Kay Stiefermann als Eugen Onegin. Stiefermann bietet mit beweglicher, kultiviert geführter Stimme einen stattlichen, wohltönenden Onegin. Pieter Roux entwickelt als Lenski tenoralen Schönklang, der mitunter etwas zu breit eingesetzt wird und sich damit nicht ganz sensibel in die vielen fein gearbeiteten Ensemblestellen einpasst. Die bekannte Arie "Wohin, wohin" vor dem Duelltod bringt er mit großem Pathos, das er gestalterisch nicht ganz einholt. Gute Leistung erweisen auch Stefanie Schäfer als Olga und Hartmut Bauer als Fürst Gremin. Klangvoll und engagiert erklingt der Chor. 

Das Orchester spielt mitunter etwas unpräzise, kann sich schließlich aber zu dichten Klang zusammenfinden. Das Dirigat von Martin Braun entwickelt die Partitur lebendig und farbreich, zeigt sich allerdings etwas unentschieden, wenn es viele Passagen fein gewirkt kammermusikalisch ausarbeitet und sich dann sogleich wieder aufschwingt zu großen Klangprospekten. Insgesamt gelingt aber eine recht anspruchsvolle Ausführung des Orchesterparts, von dem die Sänger gut getragen werden. 

 

FAZIT
Um große Bären und Sehnsucht nach Liebe bemüht sich farbenreich die Inszenierung. Die Oper erklingt dabei in beachtlicher, allerdings wenig spektakulärer musikalischer Ausführung. 

Produktionsteam

Musikalische Leitung 
Martin Braun 

Inszenierung 
Ulrich Hub 

Bühnenbild 
Markus Meyer 

Kostüme 
Judith Fischer 

Licht 
Fredy Deisenroth 

Dramaturgie 
Christian Baier 

Chor 
Gabriele Pott 
Karen Schulze-Koops 
 
 

Chor und Extrachor 
der Wuppertaler Bühnen 
Sinfonieorchester Wuppertal 
Statisterie der Wuppertaler 
Bühnen 

 
 

Solisten

Larina
Anna Maria Dur 

Tatjana
Friederike Meinel 

Olga 
Stefanie Schaefer 

Filipjewna 
Carin Schenk-Schmidt 

Eugen Onegin
Kay Stiefermann 

Lenskij
Pieter Roux 

Fürst Gremin
Hartmut Bauer 

Hauptmann
Javier Zapata 

Saretzkij
Martin Maßmann 

Triquet 
Mario Trelles Diaz 
 
 
 

Weitere Informationen
erhalten Sie von den 
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
 


 

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