Westdeutsche Zeitung
Montag, 13. Dezember 2004
Von Hartmut SassenhausenBrüderlichkeit perfekt zelebriert
Die Botschaft von Beethovens 9. Sinfonie und ihre klangschöne Umsetzung beim Sinfoniekonzert lösten am
Sonntag in der Stadthalle Ovationen aus.
Wuppertal. Dass Wuppertals neuer Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka phänomenale Konzerte
bietet, hat sich bei den Zuhörern schnell herumgesprochen, laufen sie doch in Scharen in die
Stadthalle. So war die Matinee des 4. städtischen Sinfoniekonzerts am Sonntag ausverkauft.
Auf dem Programm des Wuppertaler Sinfonieorchesters stand die epochale 9. Sinfonie von Ludwig van
Beethoven.
Die Aufführung des Werkes, das von der gewaltigen Sinfonie zur enthusiastischen Kantate wächst,
war buchstäblich sensationell. Hochdramatisch brachten die städtischen Sinfoniker die Botschaft
von der Brüderlichkeit aller Menschen, die im Kampf um Frieden und Glück die allgemeine Freude
erringen, zu Gehör.
Mit seiner hochmusikalischen und elektrisierenden Körpersprache vermittelte Kamioka präzise die
Partitur, die Musiker sehr transparent und formvollendet in klangvolle Töne umsetzten. Das gewaltige,
kämpferische Ringen des Kopfsatzes, die rastlose Tätigkeit mit Zügen grimmiger Freudigkeit im Scherzo
und das erhabene Adagio mit seiner Vision von Menschenglück erklangen ausgesprochen kultiviert und
höchst packend. Auch die Instrumentalrezitative mit ihren kommentierenden Reminiszenzen an die
ersten drei Sätze im alles krönenden Finalsatz ließen keine Wünsche offen.
Sehr ausgewogen, gepflegt und vom Orchester gefühlvoll begleitet sangen der Chor der
Konzertgesellschaft (Einstudierung: Marieddy Rossetto) sowie der Chor der Volksbühne und der
Schubertbund (Einstudierung: Thorsten Pech) Schillers "Ode an die Freude". Hinzu gesellte sich ein
ebenfalls bestens disponiertes Gesangssolistenquartett.
Melba Ramos (Sopran), Stefanie Schaefer (Alt), Jeffrey Dowd (Tenor) und Thomas Laske (Bass)
gestalteten ihre Partien mit strahlenden Stimmen außerordentlich aussagekräftig.
Kurz nach Verklingen der letzten Note hielt es keinen der Zuhörer mehr auf seinem Sitzplatz.
Frenetische stehende Ovationen, gespickt mit Bravos, waren der Dank für einen umwerfenden
musikalischen Vormittag.