Westdeutsche Zeitung
Freitag, 12. Mai 2006
Harmonie hoch vier: Hommage an Brahms
Stadthalle: Kammermusik mit vier Künstlern.
Hartmut Sassenhausen
Wuppertal. Das hat es in Wuppertal seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben: Bis auf den
letzten Platz war der Mendelssohn Saal der Stadthalle an einem Kammermusikabend ausverkauft.
Es war der Vierte des Sinfonieorchesters Wuppertal dieser Spielzeit.
Zwei Orchestermitglieder und die Altistin Stefanie Schaefer (Wuppertaler Bühnen) boten gemeinsam
mit Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka (Klavier) einen reinen Brahms-Abend. Dabei
präsentierten sie sich bestens disponiert und stellten anspruchsvolle Werke des romantischen
Komponisten vor.
Ursprünglich sind die erste Sonate aus op. 120 und das Trio op. 114 für Klarinette anstatt für
Bratsche geschrieben. Angeregt wurden sie von dem berühmten Klarinettisten der Meininger
Hofkapelle: Richard Mühlfeldt. Mit ihnen und zwei anderen Werken stellt Brahms dieses Instrument
mit seinen vielschichtigen klanglichen Möglichkeiten eindeutig in den Vordergrund. Mittlerweile
ist es jedoch auch üblich, als Variante wie an diesem Abend eine Fassung mit Bratsche zu spielen.
Natürlich mangelt es dieser Version an den vielfältigen spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten
dieses Holzblasinstruments. Bratschistin Hikaru Moriyama gelang es dennoch, den herben
motivisch-thematischen und harmonischen Charakter der Sonate und die improvisatorische
Großzügigkeit im Satzaufbau des Trios klar zum Ausdruck zu bringen. Außerdem harmonierte sie
beim Trio ausgezeichnet mit dem Cellisten Michael Hablitzel, der seinem Instrument schöne sonore
Töne entlockte.
Dritter im Bunde war Kamioka, der sich als ein sehr versierter Kammermusiker präsentierte. Mit
seiner sensiblen und nuancierten Anschlagskultur reizte er die klanglichen Möglichkeiten des
Flügels aus und machte so sämtliche musikalische Strukturen der Werke deutlich.
Auch als Liedbegleiter ließ Kamioka keine Wünsche offen. Bei ausgewählten Liedern des
Komponisten wie auch bei den Instrumentalstücken begleitete er einfühlsam und mitatmend. So
konnte Stefanie Schaefer ihre bewegliche, in allen Lagen sichere Stimme voll zur Geltung bringen.
Schon jetzt kann man auf den 12. Juni, 20 Uhr, gespannt sein. Dann wird Kamioka mit drei
Streichern des Orchesters in der Stadthalle Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Schumann
und Dmitri Schostakowitsch vorstellen.