Darmstädter Echo
Montag, 14. Mai 2007
  Der Komponist hätte seine Freude gehabt


Oratorium: Mendelssohns "Elias": Bravorufe für die Dirigentin Monika Gößwein-Wobbe und die Musiker


VON Susanne Döring, 14.04.07

DARMSTADT. Felix Mendelssohn äußerte sich anlässlich der Uraufführung seines Oratoriums "Elias" im Jahr 1845 sehr deutlich darüber, wie er sich die Interpretation nicht vorstellte. Er bemängelte an der Sopranistin, dass sie "niedlich, so gefällig, so elegant, so unrein, so seelenlos und kopflos" gesungen habe. An der Aufführung am Samstag in der Darmstädter Pauluskirche, die Monika Gößwein-Wobbe mit ihren beiden Chören Collegium Musicum Vocale Darmstadt und dem Vocal Ensemble Frankfurt gestaltete, hätte der Komponist dagegen wohl seine Freude gehabt. Zusammen mit den Frankfurter Solisten als Orchester und einem gut aufeinander abgestimmten Solistenquartett ließen alle Musizierenden nichts von der packenden Dramatik des Werkes aus.

Die vereinigten Chöre mit ihren rund 100 Sängern, unter denen die Männerstimmen ein wenig unterbesetzt waren, beeindruckten durch flexible Binnen- und Großdynamik. Die Tonbildung erzielte im einzelnen ausgefeilte Wirkungen, während sich beispielsweise im zweiten Teil der Dialog zwischen der Königin und dem Volk zu einer großangelegten Steigerung entwickelte. Mit der Auswahl einiger Chorsänger als Solisten im berühmten Doppelquartett "Denn er hat seinen Engeln befohlen" und an anderen Stellen gelang Gößwein-Wobbe ein Glücksgriff. Besonders Julia Brock gab ihrem Knaben glockenklaren Klang.

Kompositorisch wird das Geschehen des Oratoriums vor allem durch die Rolle des Elias getragen, die der Bass Hans-Georg Dechange durchgehend mit warmer Stimme, intonatorisch sicher und mit der von Mendelssohn gewünschten Zurückhaltung ausfüllte. Seine gute Aussprache in den Rezitativen sowie Wendigkeit in den Arien erweckten den Eindruck, große Passagen des Werks seien geradezu für eine solche Stimme geschrieben. Auch die Sopranistin Franka Kraneis kam gut mit Mendelssohns Anforderungen zurecht, leicht erklomm sie die Höhe und präsentierte eine volle, niemals süßliche Stimme. Die Besetzung des Altparts mit der Mezzosopranistin Stefanie Schaefer tat dem Werk, das für diese Stimme keine eklatanten Tiefen fordert, keinerlei Abbruch. Engelgleich interpretierte sie mit großer Ruhe die Arie "Sei stille dem Herrn". Lediglich der Tenor Rolf Sostmann irritierte vor allem in der starken Höhe durch eine leicht unsichere Stimme.

Stehend und anhaltend, mit Bravorufen und Begeisterungspfiffen applaudierten die Zuhörer in der nicht ganz ausverkauften Pauluskirche.




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