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Zollern-Alb-Kurrier
Montag, 17. Februar 2009
von: Volker Schneider
Dankbarer Applaus für "Elias"
Ein intensiver Abend für die Besucher des Mendelssohn-Oratoriums in der Martinskirche
Das war ein intensiver Abend: Mendelssohns Oratorium "Elias" zählt zu den komplexesten Werken dieser Art und erntete am Sonntag
in der Martinskirche einen nicht enden wollenden, dankbaren Applaus.
Aufgrund der Komplexität des Themas hatte der Zuhörer Gelegenheit, vor dem Konzert im Programmheft eine geschickte Einführung eines
leider ungenannten Verfassers zu lesen, die über alles Wichtige informierte und gleichzeitig Neugier auf die kommende Musik weckte.
Mendelssohns geradezu leidenschaftliche Sympathie zum Propheten Elias haben alle Interpreten während der ganzen Aufführung
faszinierend realisiert. Elias ermahnt, kämpft, resigniert und denkt nach. Der kurzfristig eingesprungene Bariton Martin Hempel
füllte diese unterschiedlichen Rollen in großem Umfang aus. Die Baalszene ist voll hochdramatischen Kampfes, soll Elias doch das
Volk vor schweren Fehlern bewahren. Martin Hempel kämpfte zupackend, leidenschaftlich und führte sich in der Arie "Ist nicht des
Herrn Wort wie ein Feuer" über seine Grenzen hinaus. Mit großer Ruhe gestaltete er das Regenwunder im Dialog mit dem Knaben und
dem Volk. Die Resignation und Todessehnsucht gestaltet er ergreifend in der Arie "Es ist genug", unterstützt von ebenso schlicht
musiziertem Cello Solo.
Der Tenor Charles Reid gestaltet den Obadja zupackend forsch und versprüht mit seiner Arie "Dann werden die Gerechten leuchten"
etwas Sehnsucht in der Kirche.
Die Sopranistin Lucia Martinas gefiel mit heller, brillanter Stimme in der Rolle der Witwe ebenso wie als Engel und als Knabe.
Sie eröffnete den zweiten Teil mit der Arie "Höre Israel", einer intensiven Ermahnung an das Volk. Das "Ich bin euer Tröster" kam
dann mit entsprechender Wucht, das saß. Die Altistin Stefanie Schaefer überzeugte in der Rolle der Königin, die das Volk gegen Elias
aufhetzt. Geradezu erzitternd fordert sie "so ziehet hin und greift Elias, er ist des Todes schuldig". Wenige Minuten später muss
sie als Engel Elias aufmuntern, eine weiten Weg zu gehen und schafft mit der Arie "Sei stille dem Herrn" einige Minuten stiller
Andacht.
Auch der Chor der Martinskirche hatte unterschiedliche Aufgaben: große Chorfugen und die Rolle des Volkes mit rezitativischen
Einwürfen als Teil der Handlung gestalten. Eine Herkulesaufgabe, die mit Bravour gemeistert wurde. Fast zu resignierend bittet
das Volk zu Beginn "Hilf Herr, willst du uns den gar vertilgen?" um in der Baalszene die drei Anrufungen Baals mit zunehmender
Heftigkeit zu gestalten. Gemeißelt schroffe, energische Einsätze kamen ebenso souverän wie geradezu endlos weite Phrasierungsbögen
in "Wohl dem, der den Herrn fürchtet". Hervorzuheben wäre auch das große Lautstärkespektrum, das oftmals in sehr kurzer Zeit zu
realisieren war. Das Orchester Camerata viva Tübingen war in allem ein souveräner Begleiter und setzte die Intentionen der
Dirigentin aktiv um.
Die Dirigentin, Kantorin Brigitte Wendeberg verstand es, über drei Stunden einen langen Spannungsbogen aufzubauen und zu halten.
Dies führte von einem sehr ruhigen Beginn über die Baalszene und das Regenwunder zu einem packenden Finale des ersten Teils mit
"Dank sei dir Gott". Im zweiten Teil gerieten das bekannte Engelsterzett und der Chorsatz "Siehe der Hüter Israels" und "Wer bis
an das Ende beharrt" zu Momenten intensiven Innehaltens. Mit stets passenden Gesten, von kleinst bis zu großem Körpereinsatz
führte sie eine differenzierte Regie, in der der Ausblick auf den kommenden Messias und der geradezu extrem breit angelegte
Schlusschor zum ultimativen Kräfteaufgebot aller Beteiligten wurden. Der schier endlose Applaus ist nur ein kleines Zeichen der
Anerkennung, die Brigitte Wendeberg und ihren Musikern für dieses großartige Ereignis gebührt, das allen Konzertbesuchern
sicherlich in bester Erinnerung bleiben wird.