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Samstag, 4. Mai 2013

  Elysische Gefühle

beim Sinfoniekonzert in Erfurt


von Ursula Mielke


Die Mezzosopranistin Stefanie Schaefer erfreute das Publikum mit mit Liedern Gustav Mahlers

Erfurt. Betreffend der Werkauswahl machte das 8. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters einen recht merkwürdigen Eindruck. Bis zum schwungvollen Finale mit Felix Mendelssohn Bartholdys Stücken zu "Ein Sommernachtstraum" war das Konzert auf einen melancholischen Grundton gestimmt. Mit "In memoriam" hob der Abend an, mit einem Werk, das der Polystilist Alfred Schnittke im Gedenken an seine 1972 verstorbene Mutter als Klavierquintett konzipierte und wenig später für Orchester vorlegte.

Mit dem breiten Klangspektrum der Orchesterfassung, basierend auf einem minutiösen Klangfarbenspiel, kamen die Erfurter Musiker unter Leitung von Samuel Bächli bestens zurecht. Die Entfaltung dichtester Klangstrukturen und die unmerklich sich vollziehenden Farbwechsel bis hin zu dezent gesetzten solistischen Tupfern gelang hervorragend.

Hierin sowie im dunklen Gesamtklang lag der Grund für die Bitternis, die das Werk spüren ließ. Im vielfachen Piano verklang es mit pastoralem Sentiment. Und das Klavier (Ralph Neubert) tupfte in den Strom des verebbenden Lebens ein paar winzige heiße Tränen hinein.

Schön war das anzuhören, so schön wie die Stimme der Mezzosopranistin Stefanie Schaefer, die in Erfurt bereits auf der Opernbühne stand und im Sinfoniekonzert mit Gustav-Mahler-Liedern beglückte.

Dem "Wunderhorn" ihrer dunkel timbrierten Stimme entströmte eine sanfte Milde, eine entrückt wirkende Ruhe, welche insbesondere die gedämpften Streicher dezent grundierten. Die - wie Samuel Bächli ansagte - Mutter aller Zugaben steigerte die köstliche Schönheit des zuvor Gesungenen. Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen" nach Friedrich Rückert weckte in der Tat elysische Gefühle: "Ich bin gestorben dem Weltgetümmel, und ruh in einem stillen Gebiet! Ich leb allein in meinem Himmel, in meinem Lieben, in meinem Lied!"

Gut, dass Mendelssohn Bartholdys spritziger "Hochzeitsmarsch" Ausführende und Hörende wieder auf die Erde samt ihrer Lustbarkeiten holte.





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