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OSTHOLSTEINER ANZEIGER


11. Juli 2009
  „Mädchen, du hast Gold in der Kehle“



Im Vorjahr verzauberte sie hier alle als Rossinis Rosina. Jetzt kehrt sie gleich in zwei wichtigen Partien ins Opernrund der Eutiner Festspiele zurück.

Herzen auf für die energiestrahlende Mezzosopranistin Stefanie Schaefer: Sie wird erstmals heute Abend in der Premiere von Offenbachs „Die Großherzogin von Gerolstein“ zu sehen sein und im August auch in der Wiederaufnahme des „Barbier von Sevilla“.

Eine Traumrolle und vier Lieblingspartien porträtieren die junge Frankfurter Sängerin so treffend, dass sich der Lesetext an dieser Stelle Akustik wünscht: Da sitzt die zehnjährige Stefanie Schaefer im Musical „My Fair Lady“, blickt zur Hauptfigur Eliza hoch und spürt eine tiefe Gewissheit, dass sie Sängerin werden wird.

Gut 20 Jahre später ist Stefanie Schaefer selbst Eliza und jede Sekunde, die sie dort oben auf der Bühne singt, mit dem Mädchen verbunden, das sich seinen Traum erfüllt hat. „Das war unglaublich, wunderschön. Diese Partie steht außer Konkurrenz und hat ihren ganz eigenen Platz in meinem Herzen.“

Angeleitet von der Mutter sangen sie und zwei Schwestern von früh an. Im Kirchenchor. Im Auto auf dem Weg in den Urlaub. Im Kinderchor des Hessischen Rundfunks. Ihr Lehrer dort, Professor Alois Ickstadt, sagte es dem quirligen und für den Klavierunterricht mäßig fleißig übenden Kind unumwunden: „Mädchen, du hast Gold in der Kehle, mach was draus.“

Machte sie. Suchte sich in Frankfurt mit Karin Geber-Brandt eine Lehrerin, durch die sie früh auch mit der Gesangspädagogik in Berührung kam. Betreute bald angehende Studenten und gab weiter, was ihr so wichtig ist: die frühe, fundierte Stimmbildung.

Doch es gibt Reifeprüfungen, die allein mit Stimme und Technik nicht zu meistern sind. Vielleicht sind die Charlotte in Massenets „Werther“ und „Carmen“ mit ihrem Leid und Drama darum zwei ihrer Lieblingspartien. Sie markieren gefeierte Erfolge, die Stefanie Schaefer nach langem Warten auf ein Engagement errang. Nach dem Studium war sie mit besten Aussichten auf die übliche Vorsing-Tour in Agenturen und Theaterhäusern gegangen, und es folgte – nichts. Anderthalb Jahre ging das so, sogar krank machte dieses immer neuen Hoffen und Scheitern die tatkräftige Begabte. Schließlich ließ die „bekennende Katholikin“, wie sie sich nennt, für eine letzte Bewerbungsphase innerlich los. Überließ sich dem, was das Leben für sie vorsah. Und bekam beim ersten Termin ihr erstes Engagement.

Fünf Jahre am Wuppertaler Opernhaus brachten neue, unglaubliche Erfahrungen. „Mit dem einen Werk auf der Bühne stehen und der Kopf schwirrt einem dabei noch vom Lernen des nächsten langen italienischen Textes, einmal in sechs Wochen nur zwei Tage ohne Oper – das war spannend und ging an jede Grenze.“ Inzwischen ist die Mezzosopranistin, deren Lebenszentrum mitsamt Großfamilie weiterhin in Frankfurt liegt, wieder freischaffend tätig. Eine schöne Lebensphase, in der sich manch neue Wunschrolle verwirklichen lässt und andere zu vertrauten Begleitern werden. So wie der Hänsel in Humperdincks Märchenoper, die Nummer 3 auf der Liste.

Gedanken an die Zukunft streifen das besondere Stimmfach des lyrischen Mezzosopran und schließlich die vierte Lieblingspartie, den Oktavian in Strauss’ „Rosenkavalier“. „Aber damit lasse ich mir Zeit, das kann reifen, wir Mezzosoprane haben da nicht so viel Eile“, sagt Stefanie Schaefer. Erst einmal will sie den Eutiner Sommer genießen, auch mit der Familie. In der hat auch Tochter Alina (13) das Singen entdeckt.

Hoch gestiegen, tief gestürzt: Der Soldat Fritz und seine Geliebte kommen in der „Großherzogin von Gerolstein“ drei Akte lang einfach nicht zur Ruhe. Wie’s in der Operette eben so ist.





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