wz Logo Westdeutsche Zeitung
Montag, 17. Januar 2005
  Wuppertaler Bühnen:

Die Fledermaus von Johann Strauß

Niels-Peter Rudolph inszeniert an den Wuppertaler Bühnen "Die Fledermaus" von Johann Strauß. Doch nur die Sinfoniker bringen die Musik zum Tanzen.


Hartmut Sassenhausen

Foto: Milena HollerWuppertal. Der von Johann Kresnik perfekt in Szene gesetzte Auftritt der professionellen "BBC" Break-Dance-Crew mit ihren akrobatischen Tanzeinlagen zur Polka im 2. Akt ist das Highlight des nicht gerade rauschenden Fests des Prinzen Orlofsky. Die Truppe bringt beste Stimmung in die Bude, während der Chor der Wuppertaler Bühnen wie bestellt und nicht abgeholt an Tischen mit Tischtelefonen sitzen, als befinde man sich auf einem Ball der einsamen Herzen.

Auch sonst bietet Niels-Peter Rudolphs Inszenierung der "Fledermaus", die im ausverkauften Wuppertaler Schauspielhaus Premiere feierte, wenig mitreißenden szenischen Schwung. Der Operette von Johann Strauß fehlte jeglicher Esprit. Wie ein schlecht imitiertes Ohnesorg-Theater der 50er Jahre wirken das spießig herausgeputzte Wohnzimmer Eisensteins und die Protagonisten. Das Tanz-, Trink- und Maskenvergnügen verkommt zu einem verkrampften Single-Treff. Verklemmte Altherrenerotik wird hier wie in dem Schlussakt gewahr, wenn sich etwa Adele mit ihrer Schwester im Baby-Doll-Outfit (Kostüme: Erika Landertinger) präsentieren. Dazu mimt Ulrich Kuhlmann als Frosch schlecht den Komiker Herbert Knebel, bietet uralte Zoten und banale Sprüche über allseits bekannte Politiker.

Rudolphs unverkennbare Zitierfreude in den Dialogen und bei den Kostümen, etwa Reminiszenzen an Monty Python oder Federico Fellini, scheinen ihn daran zu hindern, eigene Konzepte zu entwickeln. Denn vieles bleibt Stückwerk. Auch bietet das Bühnenbild von Thomas Dreißigacker wenig Möglichkeiten der freien Entfaltung. Wegen der stufenförmig nach hinten aufsteigenden schlichten weißen Kulisse bleibt den Akteuren nur ein Changieren nach links und rechts übrig. Zudem sind die vielen aufgehängten weißen Stoffe der ohnehin schlechten Akustik des Saals nicht förderlich. Und die in Mikrofone hineingesprochenen, größtenteils umgedichteten Dialoge stören die Balance zwischen gesprochenen und gesungenen Texten.

Foto: Milena Holler Musikalisch hingegen bleiben keine Wünsche offen. Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka und das Sinfonieorchester Wuppertal loten den ganzen, in der Inszenierung vermissten tänzerisch-beschwingten Elan und Leitsituationen wie soziale Rollenwechsel oder räumliche Isolation und deren Sprengung bis ins kleinste Detail höchst packend aus. War Elena Fink (Adele) auf Sicherheit bedacht, überzeugten Kay Stiefermann (Eisenstein), Katerina Sokolova-Rauer (Rosalinde), (Thomas Laske (Dr. Falke), Rainer Zaun (Frank), Stefanie Schäfer (Orlofsky) und Cornel Frey (Dr. Blind) mit ihren Rollen adäquaten, beweglichen und ausdrucksstarken Stimmen. Witzig ist auch Edgardo Zayas als Tenor Alfred mit seinen Opernparodien in der Gefängniszelle.

Es gab enthusiastische Bravi für den Dirigenten sowie etliche Buhs und Pfiffe für die Regie.


Fotos zu dieser Aufführung:
Foto: Milena Holler
Orlofsky

Zurück
Startseite