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Hänsel und Gretel
Märchenspiel in drei Bildern
Musik von Engelbert Humperdinck
Text von Adelheid Wette

 
Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Premiere an den Wuppertaler Bühnen im Schauspielhaus Wuppertal am 28. Januar 2006

Gretel, Hänsel und 14 wohlbeleibte Engel


Von Frank Becker / Fotos von Milena Holler


Die Emphase, mit der Wuppertals GMD Toshiyuki Kamioka schon die klangvolle Ouvertüre zu "Hänsel und Gretel" weich schmelzend mit dem "Abendsegen" und brillant funkelnd mit dem Hexenthema dirigierte, übertrug sich unmittelbar auf das ausgezeichnet eingestellte Wuppertaler Sinfonieorchester, das seiner lebendigen Stabführung folgend bis zum Finale mit einer Bestleistung aufwartete.
Nicht auf dem Trittbrett des unter Volldampf durch die Republik rasenden Mozart-Express mitzufahren und zugleich die Fixierung von Humperdincks Märchenspiel als Weihnachtsstück aufzuheben, war eine kluge Entscheidung von Johannes Weigand. Schließlich gehören die Märchen der Brüder Grimm zum täglichen Leben und Gebrauch und sind ganzjähriges Kulturgut. Auch die Umwidmung des Hexenhauses vom Lebkuchen- zum Lakritzkonfekt- und Gummibärchen-Haus hob die allgemeingültige Position von "Hänsel und Gretel" hervor. Das war pfiffig. Billig allerdings erschien der Regieeinfall, den Kaffee einer Supermarkt-Kette und einen bekannten Eierlikör so deutlich zu plazieren, daß es schon ärgerlich war.  Aber das nur am Rande.

(Elena Fink, Stefanie Schaefer)

Der reale Hintergrund des Grimmschen Märchens von den bei der Erdbeersuche im Walde verirrten Geschwistern, das der Bearbeitung von Humperdincks Schwester Adelheid Wette zugrunde liegt, ist böse und dürfte nur wenig bekannt sein. Die in einem Hexenprozess 1647 freigesprochene Bäckerin Katharina Schrader war danach von Hans und Grete Metzler in ihrem Haus im Spessart ermordet und in einem ihrer Backöfen verbrannt worden, weil sie ihre Lebkuchenrezepte nicht preisgeben wollte. Da sind uns diese beiden ein wenig unartigen aber netten Geschwister, die nur beinahe der bösen Hexe zum Opfer fallen, dann aber mit vielen anderen verwunschenen Kindern gerettet werden, viel lieber. Zumal, wenn sie so schön singen, wie unsere beiden: Elena Fink (Sopran), die wieder mal ausgesprochen viel Bein zeigen durfte, als Gretel und Stefanie Schaefer (Mezzo) als Hänsel. Verspielt mit "Suse, liebe Suse", komödiantisch in "Brüderchen, komm tanz mit mir" und liebenswert mit "Ein Männlein steht im Walde" sangen sich die beiden schnell in die Herzen des Publikums, darunter viele Kinder.

 (Elena Fink, Stefanie Schaefer)

Über die Geschichte hier nicht mehr, sie sollte bekannt sein. Auch die übrigen Protagonisten glänzten: dramatisch Joslyn Rechter (Mezzo) als Mutter, sonor und kraftvoll Thomas Laske (Bariton), der den Vater mit Schnapsbuddel und Sixpack gab: "Hunger ist ein tolles Tier" und Cornel Frey als Hexe. Hier wurde wieder einmal Humperdincks Wunsch mißachtet, der die Besetzung mit einem Tenor ablehnte, der Hexe einen Alt oder Mezzosopran zugedacht hatte. Aber Frey machte zum Vergnügen aller seine Sache gut, gab "Hokus pokus Hollerbusch" eine prima Hexe ab und bekam als gebackene Übeltäterin mit Urban-Priol-Frisur einen Extra-Applaus. 
Bühne und Kostüme von Markus Pysall trugen das ihre zum Erfolg und Vergnügen bei. Besonders die 14 wunderbaren dicken Engel, die zum traumschönen "Abendsegen (Abends will ich schlafen gehn)"  höflich die Szene betreten, wurden regelrecht geliebt - und für mich der Höhepunkt der Inszenierung. Eine glänzende Idee und witzig, nicht nur wegen der Darstellung der beiden "sixtinischen Engel" á la Raffael. Gleichermaßen trug
wieder einmal die kongeniale stimmungsvolle Lichtregie Fredy Deisenroths zum Erfolg bei.

  Hexe (Cornel Frey)



FAZIT

Sicher zu Recht wurde diese unterhaltsame Inszenierung von "Hänsel und Gretel" jubelnd gefeiert, allen voran Toshiyuki Kamioka, der das Verspielte und das Erhabene der Musik wunderbar herausgearbeitet hatte, Elena Fink und Stefanie Schäfer, die der Aufführung neben dem Glanz ihrer Stimmen Frische und Sympathie gaben - und die herzigen 14 dicken Engel.



Fotos zu dieser Aufführung:
Foto: Milena Holler
Hänsel

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