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Die Rheinpfalz


Mittwoch, 15. Juni 2011
  Premiere von "Katja Kabanowa":

Durchweg solide besetztes Solisten-Ensemble

Sie ist eine stimmliche Sensation: Die Mezzo-Sopranistin Christina Niessen debütierte am Samstagabend als Katja Kabanowa in der gleichnamigen Oper von Leos Janácek und hinterließ im Badischen Staatstheater Karlsruhe ein staunendes und begeistertes Publikum.

Geradezu enthusiastisch wurde die Eigenproduktion des Badischen Staatstheaters aufgenommen. In einem durchweg solide besetzten Solisten-Ensemble glänzte die seit vier Jahren dem Haus zugehörige junge Sängerin durch ihre grandiose stimmliche und schauspielerische Darstellungskraft. Niemand konnte sich ihrer körperlichen und sängerische Präsenz entziehen. Da stimmt jede noch so kleinste Bewegung, begleitet von einer Stimme, die bruchlos den Spagat zwischen tief gurrendem Alt und jugendlich-strahlkräftiger Höhe meistert.

[…] [Georg Köhl] verzichtet auf die drastische Darstellung sexueller Bedürfnisse in einer moralisch doppelbödigen und spießigen Gesellschaft, zeichnet stattdessen intensive musikalische Porträts der Protagonisten, die sich zu regelrechten Psychogrammen verdichten.

[…] Die spartanisch eingerichtete, teilweise unter Wasser gesetzte Bühne dient als Symbolraum für unerfüllte Lebensträume: Ein kaltes Gerüst aus Stahlrohr, darunter die brodelnde Wolga als Lebensader und Schicksalsstrom in bester tschechischer Tradition à la Smetanas Moldau - eine Inszenierung, die mit starken, sinnlichen, zuweilen sehr realistischen Bildern arbeitet. So darf sich Christina Niessen bei ihrem Sprung in die eisigen Fluten der Wolga tatsächlich ins Wasser begeben. Die technisch brillant umgesetzte Lichtdramaturgie, etwa in der Gewitterszene, leistet ihr Übriges, um die Bühne in eine naturalistische Projektionsfläche menschlicher Bedürfnisse zu verwandeln.

Für Ordnung im Graben sorgt indes Dirigent Justin Brown: Die kleinsten seelischen Regungen auf der Bühne setzt die Badische Staatskapelle klanglich sensibel um mit wunderbar zart schmelzenden Solo-Streichern und einem wackelfrei agierenden Bläserapparat.




 
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Der Neue Merker


Mittwoch, 15. Juni 2011
  Premiere von "Katja Kabanowa":

Ebenmäßig strömend klingen die Soprantöne von Stefanie Schaefer (Barbara)

Georg Köhl führt Regie in Leos Janá?eks psychologischem Musikdrama ‚Katja Kabanowa' und verstand es meisterlich, die Darsteller mit den diversen Charakteren in intelligenter Personen- und Lichtregie individuell in Szene zu setzen.

[…] Eine sehr lange Pause wurde für die Umbauarbeiten des dritten Aktes benötigt und das Warten hatte sich gelohnt, brauchte es doch eine optisch-geniale Überraschung: die vortrefflich in Szene gesetzte Gewitterszene sowie fließendes Wasser, bei Katjas Freitod überschwappend noch verstärkt durch das effektive Lichtdesign (Gerd Meier). Wann und wo erlebt man auf der Bühne ein derartig reales, optisch grandioses Bühnenhappening?

Justin Brown am Pult der ausnahmslos aufmerksam und klangvoll musizierenden Badischen Staatskapelle verstand es vorzüglich die schroffen und teils nervösen Seelenzustände der Partitur zu beleuchten, überraschte mit feinnervigen Verästelungen und voll spürbarer Sensibilität und pathetischer Ästhetik, ohne sich in überdimensionierte Expressivität zu steigern. Nie zuvor hörte ich live orchestral eine so wundervolle Interpretation!

In der Titelpartie geht Christina Niessen vokal ans Äußerste. […] Ebenmäßig strömend klingen die Soprantöne von Stefanie Schaefer (Barbara), kalt, schneidend im Altregister bestens formatiert zeichnet Sonja Borowski-Tudor die Kabanicha. Anrührende Schlichtheit und tenorale Eleganz bringt Bernhard Berchtold (Boris) zum Einklang, vortrefflich setzt Matthias Wohlbrecht (Tichon) seinen klangvollen Charaktertenor dagegen, bassbaritonale Unterwürfigkeit schenkt Ulrich Schneider dem Dikoj. Ausgezeichnet auch die kleineren Rollen: Andreas Heideker (Kudrjasch), Luiz Molz (Kuligin), Sarah A. Hudarew (Glascha), Sigrun M. Bornträger (Fekluscha), Doru Cepreaga (Mann) und in bester Diktion und Spielfreude setzte sich der Badische Staatsopernchor (Ulrich Wagner) in Szene und verhalf dieser geschlossenen Aufführung zum verheißungsvollen Erfolg.

Diesen großartigen Theaterabend werde ich öfters besuchen! Bravostürme und Jubel für alle Beteiligten einschließlich des Produktionsteams.




 
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Badische Neueste Nachrichten


Dienstag, 14. Juni 2011
  Premiere von "Katja Kabanowa":

Als leichtlebige Barbara überzeugt die Mezzosopranistin Stefanie Schaefer

[…] In GMD Justin Brown am Pult der vorbildlich musizierenden Staatskapelle hat diese Musik einen beispielhaften Sachwalter. Der Dirigent, der mehrfach seine besondere Vorliebe für Janá?ek betont hat, geht mit eindringlicher, wirkungsbewusster Genauigkeit den vielschichtigen atmosphärischen Verästelungen der Partitur nach, bekräftigt Akzente, betont Stimmungen und bringt die nuancierten, fein abgestimmten Valeurs der Musik mit so vorbildlicher Klarheit zu Gehör, dass der Orchestergraben bisweilen der Bühne den Rang als zentraler Geschehensort abzulaufen droht.

Die Inszenierung von Georg Köhl freilich hält mit einer engagierten Personenregie und prägnanten Bildern dagegen […]. Die ansprechenden Kostüme (Ursina Zürcher) und das effektvolle Licht (Gerd Meier) unterstreichen die hohe optische Wirkung dieser Inszenierung […].

Sängerisch bietet die Karlsruher ‚Katja Kabanowa' ein Hörvergnügen besonderer Art. Christina Niessen macht aus der grandiosen Titelpartie mit fülligem, dramatisch akzentuiertem Sopran und wunderbar sicherer Höhe eine packende singdarstellerische Studie und setzt das Abdriften der Figur in den Wahnsinn beklemmend um. Bernhard Berchthold glänzt neben ihr als vorzüglich besetzter, zerrissener Boris, dessen souverän geführter Tenor gut konturiert ist zu Andreas Heideker als schwärmerischem Kudrjasch und dem hervorragenden Matthias Wohlbrecht als schlüssig gebrochenem Tichon. Als leichtlebige Barbara überzeugt die Mezzosopranistin Stefanie Schaefer. […] Ulrich Schneider als grober Machtmensch Dikoj mit perversen Abseiten, Luiz Molz als irrlichternder Freund Kuligin und Sarah Alexandra Hudarew als Dienstbotin Glascha sichern wie auch der verlässliche Staatsopernchor das hohe Niveau dieser sehenswerten Aufführung, die vom Publikum begeistert gefeiert wurde.






Fotos zu dieser Aufführung:
Foto: Jacqueline Krause-Burberg
Barbara

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