Westdeutsche Zeitung
Samstag, 3. Januar 2004
Von Veronika Pantel
Wiener Blut und Walzerklänge
Das Sinfonieorchester gab sich meist gut disponiert, übte sich
gar im herzerweichenden Seufzen und machte in der "Bauern-Polka" mit
textlosem Lalala-Gesang dem Opernchor Konkurrenz. Die Zuschauer
allerdings konnten sich nicht so rasch auf ihre Rolle als
"Fischer-Chöre" einstellen.
Bekannten Walzern wie "Wiener Blut" oder "An der schönen blauen
Donau" fehlte die subtile Gratwanderung zwischen musikalischer Tiefe
und Kitsch, im Ausdruck zwischen Traurigkeit, Freude und Hoffnung, wie
sie Riccardo Muti am Vormittag den Wiener Philharmonikern abverlangt
hatte. Dafür gelangen die Ouvertüren von "Fledermaus" und
"Zigeunerbaron" überzeugend, wenn auch mit sehr individuellen
Tempovorgaben durch den Dirigenten.
George Bizets "Carmen Suite" avancierte zum Publikumsliebling,
wogegen die "Carmen Quadrille" von Eduard Strauß fast als Parodie
daherkam. Leider half auch das Dirigat über die eher schwache
Komposition nicht hinweg: Als "Sampler" der Strauß-Dynastie
veralberte Richter als Moderator die Quadrille.
Eine durchweg vorzügliche
Leistung lieferte Mezzosopranistin Stefanie Schaefer, die sowohl als
Graf Orlofsky als auch als Eliza ("My Fair Lady") oder als Maria ("West
Side Story") keine Wünsche offen ließ. Tenor Pieter
Roux ersang sich als Barinkay aus dem "Zigeunerbaron" und als Prinz
Sou-Chong ("Das Land des Lächelns") die Publikumsgunst.
Als Toni in der "West Side Story" zeigt er allerdings deutliche
Unsicherheiten in Text und Noten. Überhaupt wirkte das
Bernstein-Musical angehängt und nicht sicher einstudiert.
Das Publikum applaudierte begeistert und erhielt Zugaben. Der
mitgeklatschte "Radetzky-Marsch" durfte dabei natürlich nicht
fehlen.