Das Opernglas 2/2004
Orpheus-Raritäten 
Von Dr. Wolfgang Borchers

Stefanie Schaefer als Aristeo in OrfeoKurz vor der vierjährigen Renovierungspause des Wuppertaler Opernhauses, ... gönnten sich die Wuppertaler Bühnen noch einmal ein ambitioniertes Projekt: Ein "Orpheus-Fest", das drei veritable Raritäten im Programm hatte: .... die Tragicomedia per musica >>Orfeo<< von Luigi Rossi (1647) ....

Die Ausgrabung des Rossi-»Orfeo« geriet musikalisch zu einem uneingeschränkten Plädoyer für das Werk. Christoph Spering und "Das Neue Orchester" wurden ihrem Ruf als führende Spezialisten für historische Musizierpraxis einmal mehr gerecht, wenn man sich einige Sequenzen auch kontrastreicher, schroffer, weniger gefällig denken könnte. Herausragende Leistungen im durchweg überzeugenden Ensemble erbrachten die beiden Mezzosoprane Tina Hoerhold und Stefanie Schefer.

Ein wenig verschenkt wurde diese Ausgrabung leider in Bezug auf die "Wuppertaler Fassung" als auch deren szenische Realisation. Das Werk ist bezeichnet als "Tragicomedia" und lebt, wie der Titel schon sagt, ganz wesentlich von dem Kontrast zwischen komischen und ernsten Episoden. Die Einrichtung durch Christian Baier eliminiert weitgehend die buffonesken Passagen und bringt durch diese Verstümmelung das Werk um seinen ambivalenten Charakterzug. So muss diese Fassung unschlüssiges Stückwerk bleiben. Und Sparsamkeit hin oder her: Die spartanische "Inszenierung" durch Michael Simon war kaum mehr als konzertantes Stehtheater, in den wenigen Momenten versuchter Personenführung wirkte sie hilflos und amateurhaft, zuweilen gar wie eine schlechte Kopie der artifiziellen Bewegungschoreografie eines Robert Wilson. Da half es wenig, derlei Nichtigkeit mit Fotomontagen im Wuppertaler Lokalkolorit aufzumöbeln, wodurch die Aussage des Stücks außerdem unnötig verkleinert wurde.


 

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