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Wetsdeutsche Allgemeine Zeitung
Dienstag, 21.10.2003
Euridice kommt beim Autounfall ums Leben

Von Hans-Jörg Loskill

WAZ Wuppertal. Luigi Rossi (1598 - 1653) ist weiter zu entdecken. Wuppertals Oper widmet dem Italiener in der Reihe "Das alte Werk" ein Revival: "Orfeo", ein Mythos durch alle Epochen, diente dem Institut als weiterer Beweis für die Lebensfähigkeit. Denn bald wird das Haus für vier Jahre geschlossen. Renovierung ist angesagt.

Da niemand weiß, wie in vier Jahren die NRW-Theaterlandschaft und deren finanzielle Basis aussehen wird, liegt Skepsis über der aktuellen Saison. Bleiben alle drei Sparten mit Schauspiel, Musiktheater und Tanz erhalten? Wie eng ist eine bereits diskutierte Fusion/Kooperation mit Remscheid/Solingen gedacht?

Mit Rossis "Orfeo"-Deutung (1647) knüpft Wuppertal jedenfalls an beste Produktionen der vergangenen zwei Jahre an. Christoph Spering dirigiert das "Neue Orchester Köln", ein Spezialistenensemble für barocke Musik, mit leidenschaftlicher Inspiration. Die Musik des in Rom, Florenz, später auch in Paris tätigen Renaissance-Komponisten fließt blühend und pulsierend, energisch und lyrisch dahin.

Michel Simon inszenierte diese weitgehend unbekannte "Orpheus und Eurydike"-Version mit Sinn für die Gegenwart. Der Sänger verliert seine geliebte Frau durch einen Autounfall, der gerade passierte - vor dem Opernhaus. Die Künstlerin wird in ein Wuppertaler Hospiz gefahren. Die Götter erbarmen sich des trauernden Mannes: Die Liebenden dürfen noch einmal zusammen kommen. Wenn da nicht der verbotene Blick zurück wäre!

Digitalisierte Bilder mischt Simon mit präziser, wenn auch ironisch eingefärbter Charakterisierung. Bei Rossi schiebt sich neben dem scheinbar unsterblichen Paar eine weitere Figur in den Mittelpunkt: Aristeo, Nebenbuhler von Orfeo, der sich in Eurydike verliebt. Frau Venus bemüht sich, die Standhaftigkeit der Frau zu beschädigen - vergebens. Es singen mit barockem Verständnis und edel glänzenden Stimmen: Tina Hörhold (Orfeo), Sungmi Kim (Eurydike), Stefanie Schaefer (Aristeo) - ein Fest der weiblichen Stimmen.



Fotos zu dieser Aufführung:
Foto: Milena Holler
Aristeo

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