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Montag, 4. Oktober 2004
  In sachlichem Schwarz-Weiß

Packender Rigoletto"

an der Wuppertaler Oper


Hartmut Sassenhausen

Bereits im Mai feierte Giuseppe Verdis "Rigoletto" in der Inszenierung von Philippe Arlaud im Festspielhaus Baden-Baden Premiere. Nun wurde die Oper als erste Produktion der neuen Spielzeit in Kooperation mit Baden-Baden, dem Staatstheater Mainz und dem Büro für Internationale Kulturprojekte von den Wuppertaler Bühnen im Schauspielhaus herausgebracht. Damit feierte Wuppertals neuer Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamiokia als Operndirigent einen Einstand nach Maß.

Arlauds Fassung weckt Assoziationen an den deutschen Stummfilm aus der Zeit der Neuen Sachlichkeit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Alles ist à la Fritz Lang in Schwarz-Weiß gehalten: die beweglichen geometrischen Bühnenelernente, das Licht, die an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg erinnernden Kostüme (Esther Geremus, Toni Wiesinger). Arlaud kreiert Bilder mit großer räumlicher Wirkung. Personellführung scheint ihm dabei aber nicht allzu wichtig zu sein, lässt er die Darsteller doch zu oft an der Rampe stehen. Ein dem Stoff angemessenes. lebendiges Bühnenleben oder gar eine szenische Deutung finden nicht statt.

In starkem Kontrast dazu hat Generalmusikdirektor Toshiyuki, Kamioka die Musik gesetzt. Unter seinem in allen Belangen erstklassigen Dirigat spielt das Sinfonieorchester Verdi in Reinkultur, wie es spannender nicht sein könnte. Die ganze hochdramatische Dichte der Partitur wird voll zum Ausdruck gebracht. Wie ein italienischer Vollblutdirigent nimmt Kamioka alle Tempi notengetreu absolut präzise, sorgt für formvollendete fließende Dynamiken und lässt das Orchester mit einer schlanken, dennoch warmen und stets durchsichtigen Tongebung prachtvoll erstrahlen.

Die eher statische Handlung kompensieren die Sänger gesanglich mit durchweg stimmigen Charakterporträts. Scott Mac Allister ist ein ausnehmend lyrischer Tenor der glaubhaft den Herzog als Schürzenjäger mimt und das berühmte "La donna e mobile" eher leicht denn pompös anging. Károly Szilágyi nimmt man die Rolle als Rigoletto, eine physisch und psychisch kranke Person mit seiner widersprüchlichen Persönlichkeit, voll ab. Auch Martin Snell als Monterone, Christoph Stegemann als Sparafucille und die Darsteller der Nebenrollen meistern ihre Partien bravourös. Ein wenig zu soubrettenhaft gestaltet Elena Fink die Gilda, so dass die ganze Tragik ihres Liebesverständnisses nicht immer glaubhaft zum Ausdruck kommt.
Hinzu gesellen sich Chor und, Extrachor der Bühnen (Einstudierung: Thomas Dorsch, Konrad Haenisch), die sich stimmlich ausdrucksstark als Hofschranzen tummeln.

Seit vielen Jahren war in Wuppertal musikalisch nicht mehr so schlüssiges und packendes Musiktheater zu erleben..

Bravos und stehende Ovationen waren der berechtigte Dank dafür.



Fotos zu dieser Aufführung:
Foto: Katharina Greiß-Müskens
Maddalena

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