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Dienstag, 29. Mai 2007
  Klänge vermitteln Trauer und Trost




von Veronika Panthel

Klänge vermitteln Trauer und Trost Stadthalle Beim Chorkonzert erklingt Antonin Dvoráks Stabat Mater in gehaltvoller, aber nicht immer homogener Ausführung.

Stabat mater dolorosa (Christi Mutter stand mit Schmerzen) ist die Klage Marias unter dem Kreuz, an dem ihr Sohn sterben muss. Schwere Schicksalsschläge verarbeitete Antonin Dvorák in seinem Werk. Zwischen 1875 und 1877 waren drei seiner Kinder gestorben. Mitleid, Schmerz, Trauer, Aufbegehren, aber auch Milde und Trost vermittelt die Musik, die das Sinfonieorchester, der Chor der Konzertgesellschaft und Solisten der Bühnen am Pfingstsonntag im letzten Chorkonzert der Saison in der Stadthalle aufführten.

Die enorme Klangfülle zu bändigen, die Stimmungsgehalte herauszuarbeiten, Sätze von naiver, liedhaft gestalteter Frömmigkeit bis hin zur komplexen Amen-Fuge im Schlussgebet sinnfällig hörbar zu machen, war die nicht leichte Aufgabe des jungen japanischen Gast-Dirigenten Tetsuro Ban. Der große Chor (Einstudierung: Marieddy Rossetto) folgte seinen Anweisungen zumeist, rang aber auch um einheitliche Schlüsse, tastete nach sanften dynamischen Steigerungen und mühte sich um Klangschönheit und -homogenität in den Stimmgruppen. Dies konnten nicht alle Abteilungen einlösen.

Gut parierten die Choristen die abrupten Dynamikwechsel vom Piano zum Fortissimo, sicher beherrschten sie ihre Chorstimmen. Das Lass mich mit Dir herzlich weinen gelang innig zusammen mit dem Solo-Tenor. Intensiv klangen die heftigen Brüche, wenn die Kreuzeslast thematisiert wird. Der dritte Satz, Gib, o Mutter, Born der Liebe im Stil eines Trauermarsches im ernsten c-Moll dagegen war nicht immer klangvoll und einheitlich.

Die Solisten bewiesen stimmliche Präsenz: Kay Stiefermann mit profundem Bass, Cornel Frey mit leider häufig angestrengter Tenorstimme und Elena Fink mit klarem Sopran. Stefanie Schaefer überzeugte mit weicher Altstimme, die sie wie eine zusätzliche Orchesterklangfarbe einsetzte, in der leidenschaftlichen Arie Dass nicht zu der ew´gen Flamme. Im Solistenquartett des ersten und zweiten Satzes bildeten die Solostimmen nur ansatzweise ein homogenes Ganzes: Zu unterschiedlich sind die individuellen Stimmen-Ausprägungen. Jesus, wenn mein Leib wird sterben, der Schlusssatz mit Sturmwind-Steigerungen des professionell spielenden, manchmal etwas vorauseilenden Orchesters, führte zur Musik des Anfangs zurück. Mit voller Stimmkraft wiederholte der Chor im a-cappella-Satz das Gebet, das mit der inständigen Bitte um des Himmels Seligkeit ruhig und hoffnungsvoll ausklang.



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