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Sonntag, 30. Juni 2003
 «Madame Butterfly» begeisterte im Original
(v.l.n.r.) Tatjana Zaharchuk, Martin Maßmann, Arthur Friesen Foto: Wuppertaler Bühnen

Wuppertal – Geschichten mit sozialkritischem Hintergrund gehören heute zum Alltagsgeschäft der Autoren. Auch binationale Ehen, die wegen unterschiedlicher Traditionen und Lebensanschauungen scheitern, oder Männer, die sich minderjährige Geliebte suchen, bieten Stoff für Filmemacher und Schriftsteller aller Kontinente. 1904 waren diese Themen allerdings skandalös. Und so blieb der Erfolg von Giacomo Puccinis Oper «Madame Butterfly» erst einmal aus. Heutzutage wird das Stück gerne gesehen – auch in Wuppertal, wo es am vergangenen Samstag Premiere hatte.

Die «tragedia giapponese» (japanische Tragödie) des italienischen Komponisten erzählt die Geschichte der 15-jährigen Geisha Cio-Cio San, genannt Butterfly, die den Amerikaner Pinkerton heiratet. Er macht sich aus der Ehe mit der jungen Japanerin aber nur einen Spaß, denn in Wirklichkeit ist er bereits in seiner Heimat verheiratet. Als er Cio-Cio San verlässt, bleibt sie in dem Bewusstsein zurück, seine Frau zu sein. Nach drei Jahren kommt der Amerikaner mit seiner inzwischen zweiten Ehefrau zurück, erfährt, dass er einen Sohn mit Butterfly hat, und will diesen mitnehmen. Die Japanerin stimmt vordergründig zu, bringt sich aber kurze Zeit später um.

Regisseurin Anouk Nicklisch hat die Originalversion von «Madame Butterfly» umgesetzt, die noch scharfe Kritik an Amerikas Fernost-Politik übt und den Konflikt zwischen Amerikanern und Japanern nachzeichnet. In der Wuppertaler Inszenierung wird Pinkertons (sehr überzeugend: Pieter Roux) bösartige Gedankenlosigkeit und Butterflys (Tatjana Zaharchuk) Liebe stark herausgearbeitet. Der eine sucht nur sein Vergnügen, die andere gibt ihre Familie und ihren Glauben auf, um ihm zu gefallen. Leider fehlt in dieser Umsetzung Butterflys Jugendlichkeit und Schönheit, die das Fehlverhalten des Amerikaners verständlich machen. Die mehrfach ausgezeichnete moldavische Gast-Sopranistin Tatjana Zaharchuk verfügt über eine wunderbare Stimme, doch in dieser Rolle könnte man sich sicher auch eine anmutigere Besetzung vorstellen.

Die Ausstattung (Nanette Zimmermann) lässt wieder Raum für Diskussionen. Ein kreisrunder Ausschnitt, der an die japanische Flagge erinnert, bietet den Blick auf die weiße Bühne. Der hintere Bühnenraum läuft in einem spitzen Dreieck steil nach oben zusammen. Hier müssen die Sänger schon mal ihre Sportlichkeit unter Beweis stellen. Musikalisch ist diese Aufführung allerdings ein wahrer Genuss, wozu der warme Spinto-Sopran der Hauptdarstellerin auch maßgeblich beiträgt. Von kleinen Unebenheiten im Chor abgesehen, begeisterten die Sänger und Musiker das Wuppertaler Premiere-Publikum. Jeanette Nicole Wölling

Weitere Aufführungen am 2., 4., 6. und 10. Juli. Karten unter: 0202/569 4444. Aufführungsdauer 2 Stunden und 45 Minuten mit Pause.
 



Fotos zu dieser Aufführung:
Foto: Milena Holler
Suzuki

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