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Montag, 30. Juni 2003
  Tragödie auf Distanz zum Kitsch


Anouk Niklisch inszenierte Giocomo Puccinis Welterfolg "Madame Butterfly". Tatjana Zaharchuk glänzte als Gast in der Titelpartie.

Wuppertal. "Don` mind - forget" steht in Leuchtschrift auf den Würfeln, über die Kinder springen, während die Vorbereitungen zu Marineleutnant Pinnkertons Eheschließung auf Zeit mit der Geisha Cio Cio San getroffen werden. Als er sie nach heftiger Liebesbeziehung wieder verlässt, verspricht er ihr, nach Nagasaki zurückzukehren, wenn die Rotkehlichen wieder brüten. Er wird das Versprechen nicht halten und damit die tödliche Tragödie der jungen Frau auslösen, die für ihn mit ihrer Kultur brach und von ihren Eltern verstoßen würde. Im Wuppertaler Opernhaus hat Anouk Niklisch Giacomo Puccinis Lieblingsoper "Madame Butterfly" inszeniert, sichtbar darum bemüht, den Eindruck von Fernost-Tragik-Operette zu vermeiden.

 Sie setzt auf den menschlichen Konflikt der Protagonisten und zeichnet Pinkerton als schwächlichen Mann, der in Amerika als "richtige" Ehefrau in Kate (Katharina Greiß-Müskens) mit ihrem etwas fernöstlichen Gepräge wohl ein Cover seiner Geisha suchte. Cio-Cio-San blondierte sich derweil währennd seiner langen Abwesenheit blondierte und gibt sich westlich, schon wegen ihres Sohnes, den sie von Pinkerton hat...

Doch ganz auf Fernnostkolorit will sie doch nicht verzichten. Da wogen die Chordamen im Kimono vor einer schrägen Spielfläche mit schiefen Wänden die sich nach hinten öffnen. Die Gesten assoziieren mannchmal Kabuki-Theater, angesichts des Bühnennraums (Nanette Zimmermann) aber auch expressionnistischen deutschen Stummfilm, zumal der Kuppler Goro (Arthur Friesen) wie ein dämonischer Doktor Caligari über die Bühne geistert. Über ein leuchtendes Dreieck im Hintergrund darf der Zuschauer rätseln, ebenso über ein Tau, mit dem sich die Akteure die Schräge entlanghangeln können.

Immerhin entfernt sich Anouk Niklisch mit solchen "Symbolismen" gehörig vom sentimentalen Kitsch eines erfolgreichen Opern-Schmachtfetzens. George Hanson am Pult des Sinfonieorchesters scheint "Madame Buttrfly" mehr zu liegen als seinerzeit "Tosca" und das nicht, weil der Komponist die amerikanische Nationalhymne in die Partitur einbrachte. Sein Dirigat ist solide, bei der für unsere Ohren asiatisch klingenden, aber doch durchaus europäischen Partitur, die in ihrer Pentatonik etwas in die Nähe Mahlers rückt.

In Tatjana Zaharchuk hat er auch eine glänzende Cio-Cio-San, die das Dramatische der Partie betont, wie es etwa auch die Callas und die Scotto taten, und auf exponierte Demonstrationen von Pianokultur verzichtet. Nach einem Patzer im berühmten Duett mit Pinkerteon sang sie die beiden Arien bravourös, für die sie mit Ovationen gefeiert wurde. Sie könnte eine ideale Tosca sein und eine ideale Turandot werden.

Belcanto-Glanz verlieh Pieter Roux dem Pinkerton, was über sein etwas leidenschaftsloses Spiel hinwegtröstete. Glänzend bewährte sich Stefanie Schaefer als Suzuki, ddas Duett mit Chio-Chio-San war ein Höhepunkt. Kay Stiefermann überzeugte als jugendlicher Sharpless. Arthur Friesen als Goro. Hartmut Bauer verliegh der kleinen Partie des Lo zio Bonzo Konturen...

Gut einstudiert (Konrad Haenisch) wirkte der Chor, vor allem im gesummten Mondchor, Ihm waren auch die kleineren Partien anvertraut. Wehmut mischte sich beim Publikum in frenetischen Beifall und stehende Ovationen, handelt es sich doch um die letzte Inszenierung einer großen Repertoire-Oper im Barmer Haus vor der vierjährigen Schließung.

(2 3/4 Stunden, Pause, Aufführungen nur am 2., 6., 10., und 12. Juli. Karten über Telefon 569-4444).

Von Frank Scurla

(die Fehler im Text sind alle Original von der WZ übernommen)



Fotos zu dieser Aufführung:
Foto: Milena Holler
Suzuki

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