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Sonntag, 20. April 2008
  "Dies irae" gerieten gestern zu einem wahren Klanggewitter


Schwelm, 20.04.2008, Südkreis. (vp)
Rette mich Herr, vor dem ewigen Tod ("Libera me, Domine, de morte aeterna") - beschwörend flüstert der riesige Chor unisono die Bitte um Erlösung, mit der eine der gewaltigsten Totenmessen, das Requiem von Giuseppe Verdi, endet.

Das Sinfonieorchester Wuppertal, der Chor der Konzertgesellschaft (Einstudierung: Marieddy Rossetto)und vier Solisten präsentieren im 8. Sinfoniekonzert einen Höhepunkt der Saison in der Stadthalle auf dem Johannisberg. Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka lotet den gewaltigen Klangapparat sicher und feinfühlig durch die Partitur, setzt mit wild bewegtem Körperspiel gewichtige dynamische Akzente oder verführt mit statischer Haltung zu Ruhe und Verharren - wie ein Fels in der Brandung. "Dies irae" - Tag des Zorns: Das tosende Klanggewitter des Weltuntergangs, eine musikalische Apokalypse mit scharfen Orchesterschlägen, chromatischen Aufschreien des Chores, grell und gleißend aufschießenden Streicherskalen, bricht ein drittes Mal im gesamten Werk ein.

Eine machtvolle, rhythmisch punktierte, sicher dargebotene Chorfuge überstrahlt der hervorragende Sopran (Anna-Katharina Behnke) mit timbrereicher Stimme, in klarer Höhe und mit vollem Volumen. Die übrigen Solisten stehen in ihr in nichts nach: Das Wiedersehen und -hören mit Stefanie Schaefer, bis 2007 Ensemblemitglied der Wuppertaler Bühnen, gestaltet sich zum Heimspiel. Ihr warmer Mezzosopran, beweglich in extremen Lagen, ist im Piano Klangträger in jeder Konstellation der Solistengruppe, etwa im innigen Duett mit dem Sopran "Recordare, Jesu pie".

Konzert auch als Gedenken für Fünfjährige Talea

Fließend und lyrisch schluchzend entfaltet der Tenor Niclas Oettermann, eingesprungen für den erkrankten Stephen O?Mara, das "Ingemisco tamquam reus" (Seufzend steh ich schuldbefangen)mit kraftvoller Stimme. Kay Stiefermanns Bass reicht in präsente und klangvolle Tiefe; spannungsreich intoniert er sein "Confutatis maledictis" (Wird die Hölle ohne Schonung). Im Quartett des Offertorio mischen sich die Solostimmen bei der Bitte um Verschonung der Seelen vor Höllenqualen vorzüglich. Dem Orchester obliegen neben den machtvollen Tutti zahlreiche solistische Rollen, die die Musiker glänzend ausführen: Etwa wild auftrumpfende Blech- und Schlagzeug-Akzente, sphärische Streicherklänge der Violinen oder klagende Celli und unruhig flackernde Flöten-Tremoli. "Requiem aeternam dona eis" - Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, klingt es ergreifend am Schluss. Mit dem Konzert gedachte die Nachbarstadt Wuppertal auch der fünfjährigen Talea, deren Tod noch immer ungeklärt ist.





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