Westdeutsche Zeitung
Montag, 21. April 2008
Verdi-Requiem: Sinfoniker erleben Extreme
stadthalle Das Orchester begeisterte gestern
zusammen mit dem Chor der Konzertgesellschaft.
Von Tanja Heil
Es sind die leisen Töne, die das Verdi-Requiem von Sinfonieorchester und dem Chor der Konzertgesellschaft in der Stadthalle so
eindrucksvoll machen. Gleich in den ersten Tönen, aber auch immer wieder während des Stücks holt Generalmusikdirektor Toshiyuki
Kamioka klangvolle Harmonien an der Grenze zur Unhörbarkeit aus seinen beiden Ensembles heraus, steigert sie unmerklich und ohne
Klangverlust. Genau dieses Ausloten der Extreme, die langen Crescendi und Decrescendi bei unberührtem Wohlklang machen den
Unterschied zu vielen anderen Aufführungen aus.
Trotz des mehr festlich als religiösen Flairs der Stadthalle entsteht so eine tiefe Innigkeit, unterstützt durch die ausgiebigen
Pausen, die Kamioka zwischen den einzelnen Sätzen lässt. Dabei widmen Chor und Orchester dieses Requiem der kleinen Talea, die in
ihrer Pflegefamilie so früh ums Leben kam.
Vier Solo-Sänger ergeben ein perfektes Quartett Das Sinfonieorchester spielt mit wunderbar weichem Timbre, lässt durch seine
Zurückhaltung den Solisten alle Gestaltungsfreiheit, weiß aber etwa im Dies Irae auch zuzupacken und aufzubrausen. Die Ferntrompeten
fügen sich intonationssicher und klar ins Orchester ein, und die solistischen Holzbläser schmeicheln wie immer dem Ohr. Der auch in
den Männerstimmen gut besetzte Chor des Konzertgesellschaft (Einstudierung: Marieddy Rossetto) singt ausgewogen, differenzier
und sprachgenau.
Bei den Solo-Sängern hat Kamioka ein Quartett mit gut zueinander passenden, kräftigen und operngeschulten Stimmen zusammengestellt.
Niclas Oettermann ersetzt den kurzfristig erkrankten Tenor Stephen O’Mara. Er singt seine Partie locker, an leisen Stellen strömen
die Töne klangvoll durch seinen fast geschlossenen Mund, aber auch im Forte vermeidet er jede Schärfe und Anstrengung. Sopranistin
Anna-Katharina Behnke tremoliert viel in diesem Werk, das bei aller Theatralik doch ein Requiem bleibt, fügt sich aber trotzdem gut
ins Quartett ein. Stefanie Schaefer singt mit ihrer gut geführten Altstimme ein inniges, getragenes Lacrymosa. Bassist Kay
Stiefermann aus dem Opernensemble gestaltet seine Partien plastisch und voller Ausdruck - etwa das fast gruselige "Mors stupebit" oder
ein lange nachhorchendes "Salva me".
Am Ende dieser pausenlosen eineinhalb Stunden müssen sich Solisten und Kamioka immer wieder verbeugen, es gibt minutenlange stehende
Ovationen. Das Konzert wird heute um 20 Uhr wiederholt.
Karten: Telefon 569 4444.
mth