Zollern-Alb Kurier
Donnertsag, 20. Dezember 2007
  KONZERT / Chor und Orchester mit "himmlischer Musik"
Bachs Weihnachts-Oratorium vom Chor der Martinskirche geboten


"Nun jauchzen und frohlocken sie wieder"
Gut besucht: Beifall zum Schluss erreichte große Dimensionen


VON Roland Link

"Nun jauchzen und frohlocken sie wieder", möchte man in Anlehnung an Max Frisch sagen. Unter den größeren Chören der Stadt hat der Chor der Martinskirche zusammen mit den Orchesterfreunden Albstadt am dritten Advent ein bewundernswertes Merkzeichen gesetzt, wobei der sehr gute Besuch hoffentlich ein positives Omen ist.

EBINGEN Jauchzet frohlocket, auf "preiset die Tage": Wer kennt nicht den mit Pauken und Trompeten bestückten Eingangschor des Bachschen Weihnachtsoratoriums! Die Aufführung des gesamten Werkes an einem Abend ist wegen seiner Länge kaum möglich. Es ist dabei üblich geworden, die Teile I bis III zu bieten -durch Aufrundung um den (auch theologisch) zündenden Schlussteil (VI) erklangen zwei Drittel des Bach'schen Weihnachtsoratoriums.

Hervorstechendster Eindruck war die Frische, mit der Brigitte Wendeberg alle Teile (sozusagen fast ausnahmslos "attacca") anging und konsequent durchhielt. Da war nichts überfrachtet, es klang kein falsches Pathos auf, Gedankenschwere belastete nicht, sondern die dem Text und der Musik innewohnende freudige Erwartung sprang den zahlreichen Zuhörern Takt für Takt entgegen. Auf diese Weise entstand der Eindruck von Spontaneität, die das Bachsche Werk für jedermann eingängig machte. Dieser erste gute Eindruck des auf fast 80 Sänger und Sängerinnen erweiterten Chores bestätigte sich im weiteren Verlauf der Aufführung in mannigfacher Weise. Die Choräle wurden klangvoll bejahend, mit stetigem Glanz und aus einem wohlproportionierten Volumen heraus gesungen, schlicht und fromm und schön wie etwa "Wie soll ich dich empfangen" oder klangstark und siegesgewiss in "Ach mein herzliebes Jesulein" , freudig und in sich geschlossen wie "Seid froh dieweil, dass euer Heil ist.. " und "Ich steh an deiner Krippen hier".

Das Musikantische, das dem Weihnachtsoratorium in einer so populären Weise unterlegt ist, wurde von den Solisten, den Choristen und auch von den Instramentalisten aufgenommen.

Die "Orchesterfreude Albstadt" sind kern Bach-Spezial-Ensemble trotzdem waren sie stets Garant für Klangschönheit und Form im Instrumentalen. Der samtweiche Streicherklang kam besonders in der Hirtensinfonie zu Beginn des zweiten Teils zum Ausdruck. Wiegender 12/8-Takt und zarte Tongebung unterstrichen den ungeheuren Reiz dieses Pastorales. Die Bläser wetteiferten mit den Streichern und vollführten, um mit Albert Schweitzer zu sprechen, "eine wahrhaft himmlische Musik". Der Gesamtklang wirkte stets farbig und eng verbunden mit dem vokalen Geschehen; und was die Solisten von den vorzüglich geblasenen Oboen (Susanne Bastian, Katrin Stüble) über die tonintensiv und weich phrasierend "mitsingenden" Flöten (Birgit Lauw, Heidrun Bitzer) bis zur ausdrucksvoll und artikulationsgescheit gespielten Geige (Renate Musat) und den markant und animierend das Ganze überstrahlenden Trompeten (Matthias Hoppmann, Michael Bühler, Ilja von Grüningen) beigetragen haben, das war immer auch entscheidend mit dafür verantwortlich, dass diese Wiedergabe Profil und eben auch Inhalt hatte. Dies gilt auch für die vorzügliche und mitteilsame Präsenz der Continuo-Instrumente (Ellen Winkel-Lim, Cello, Markus Löffler, Kontrabass, Ulrike Tsalos, Fagott und Rudolf Hendel, Orgel)

Bei den Gesangssolisten war die Altistin Stafanie Schäfer die herausragende Erscheinung. Wie sich ihre junge, sehr schlanke und reich timbrierte Stimme durch die "Bereite dich Zion"-Arie hindurchbewegt, mit wundervollem Wohllaut und klarer Führung, so leicht und leuchtend, das hat tief beeindruckt.

Der Däne Lars Moller bildete mit seinem sympathisch sonoren, oft auch lyrisch gestimmten Bass den ruhenden Pol, auf dessen Gestaltungsfähigkeit in den Rezitativen und Ariosi Verlass war. Seine Arie "Großer Herr" gefiel durch ihr Maß und ihre beherrschte, weich eingesetzte Stimmkraft und textverständliche Artikulation. Der Schweizer Conel Frey war mit seinem geschmeidigen Tenor ein sicherer und solider Evangelist und ein Ariensänger von hohen virtuosen Graden, der das "Eilen" der "frohen Hirten" in den muntersten Koloraturen eingefangen hat.

Die in Mannheim studierende Rumänin Lucia Martinas besitzt einen zarten, reinen, lieblichen Sopran, der es..vor allem auch vermag, der Linie Bachs Spannung abzugewinnen, wie das in der Arie "Nur ein Wink von seinen Händen" verbindlich geschehen ist.

Vielgestaltige Einheit

Will man diese Aufführung auf einen Punkt bringen, so bietet sich hierzu ihre Gleichwertigkeit im Vokalen und Instrumentalen an. Wenn ein Chor oder ein Choral oder eine Arie etwa auf einer Ebene mit der ebenso ernsten Jubel-Freude des Eingangschores bis hin zum klangbildhaft umgreifend dargestellten Schlusschoral ("Nun seid ihr wohl gerochen") stehen, dann kann sich Bachs Musik mühelos als vielgestaltige Einheit entfalten. So ist es in Ebingen gewesen.

Der Beifall am Schluss dieses dichten und von bewegender Klangrede erfüllten Oratorien Abends erreichte ebenfalls die große räumliche Dimension. ROLAND LINK




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