Salvatore
Sciarrino
Macbeth
Tre atti senza nome (da Shakespeare)
Oper
Frankfurt in Koproduktion mit den Schwetzinger
Festspielen und Musica
per Roma
In italienischer Sprache
Musikalische Leitung Johannes
Debus
Inszenierung, Raum und Bühnenbild Achim
Freyer
Dramaturgie Klaus-Peter Kehr
Mitwirkende:
Annette
Stricker, Sonja Turchetta, Otto Katzameier, Thomas Mehnert, Richard
Zook
Vokalensemble:
Vanessa Barkowski, Gabriele Hierdeis, Stefanie
Schaefer, Christoph Hierdeis, Johannes Schendel, Helmut Seidenbusch
Uraufführung: 6. Juni 2002 bei den Schwetzinger Festspielen
| Salvatore Sciarrino, dessen umfangreiches
Werk auch zahlreiche Bühnenwerke umfasst, beschäftigt sich
seit 25 Jahren mit dem Gedanken, eine Oper über Shakespeares Macbeth
zu schreiben. Freilich treten keine realen Personen auf, vielmehr handelt
es sich um Ereignisströme, die nicht nur das von Macbeth und seiner
Lady begangene Massaker benennen, sondern darüber hinaus auf alle
Toten und Greuel verweisen und offenbaren, dass zur Obsession geronnene
Macht unausweichlich Leben zerstören muss. Macbeth, der machtbesessene
Herrscher, und seine machthungrige Königin sind hier ein Wesen ungezügelter
Brutalität und geballter Neurosen. Ob Wahnsinn in Sciarrinos Opernszenario
der Name für Normalität ist, also schon zu Beginn da war, als
Normalität noch vorhanden schien, oder ob der Wahnsinn als finale
Rettung wirkt, bleibt unbeantwortet. Musikalisch umgesetzt wird dieses
Changieren zwischen Wahnsinn und Scheinnormalität durch eine klangliche
Spiegelung zweier Orchester – im Graben und auf der Bühne platziert
–, die die Bühnenhandlung nochmals reflektieren. Neben den beiden
Protagonisten gibt es drei weitere »Personen« und ein kleines
Vokalensemble.
Macbeth und die musikdramatischen Folgen sind Legion und seit Verdi Teil einer Geschichte ständiger Metamorphosen. Schon 25 Jahre lang ist Sciarrino fasziniert und bewegt vom Geist dieses tragischen Kunstwerks. Sein Macbeth ist ein Konzentrat aus Shakespeares Stück. Die Handlungsdramaturgie entsteht aus einem sich in mehreren Ebenen ent- und widersprechenden Szenengefüge. Im Libretto suggeriert der Komponist Situationen und Szenenfolgen, worin immer wiederkehrende Ereignis- und Bewusstseinsströme ineinander fließen. Der machtbesessene Herrscher und seine Königin verschmelzen fast zu einem einzigen Wesen. Ungewiss bleibt, ob Wahnsinn hier Normalzustand ist oder doch auch Methode. Alles wird Macbeth-Material, verwoben in musikalische Stoffe raffiniertester Reduktion. Für Sciarrino geht es in diesem Werk "nicht um einige bestimmte Tote oder Massaker, sondern um alle Toten, alle Massaker. Indem er zur Obsession wird, ist es der Mechanismus der Macht als solcher, der immer menschliches Leben zerstört." Machtwahn gebiert Mord, alle werden zum Opfer aller. Insofern wird Sciarrinos Macbeth-Version auch zu einer Art Requiem, als Einspruch und als Eingedenken. Denn geheuer waren sie nie, die Orte Shakespeares: seine Inseln, Wälder und Heidelandschaften - oft verspukt, unheimlich und von rätselhaften Hexen- und Fabelwesen besetzt. Ödnis, Leere und Wirrnis herrschen nicht nur in der Außenwelt sondern auch in den Köpfen. Ein Märchenspiel, erzählt von
einem Idioten voll Wut und Lärm um nichts.
Quelle: Oper Frankfurt |