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Badisches Tagblatt


Donnerstag, 15. Dezember 2011
  "Das ist es, was ich will"

Mezzosopranistin Stefanie Schaefer singt die Boulotte

in "Herzog Blaubart" am badischen Staatstheater

VON NIKE LUBER

Boulotte ist neu im Dorf. Mit dem Hüten der Schafe nicht ausgelastet, flirtet der fesche Neuzugang munter mit den Männern, sehr zum Ärger von deren Frauen. Als Ritter Blaubart sie zu seiner Frau macht, glaubt Boulotte, am Ziel ihrer Träume zu sein. Was sie nicht weiß: Blaubart hatte schon mehrere Frauen, die seitdem verschwunden sind...

Was sich wie der Beginn eines Krimis liest, stellt in groben Zügen die Handlung der Operette "Herzog Blaubart" von Jacques Offenbach dar. Am Samstag hat das Stück am Badischen Staatstheater Karlsruhe Premiere. Stefanie Schaefer singt die Boulotte. "Es wird richtig bunt und lustig", verspricht die Mezzosopranistin. Denn Boulotte hat nicht vor, wie ihre Vorgängerinnen sang- und klanglos zu verschwinden. Für Stefanie Schaefer heißt das, zu singen, aber auch zu reden und zu tanzen.

"In den Dialogen wird viel gesprochen und auch mal gebrüllt. Der Wechsel zwischen Gesang und Rede ist für die Stimme richtig anstrengend", erzählt die Sängerin. Es ist ihre erste Spielzeit in Karlsruhe, in der sie bereits als Ascagne in "Les Troyens" und als Maddalena in "Rigoletto" auftritt. Ab Samstag kommt die Boulotte hinzu, im Februar gibt Stefanie Schaefer einen Liederabend, und gegen Ende der Spielzeit übernimmt sie eine Partie in der modernen Oper über Raoul Wallenberg.

Schon jetzt freut sie sich auf ein Rollendebüt in der nächsten Spielzeit. Dann singt sie den Oktavian im "Rosenkavalier" von Richard Strauss. "Diese Partie ist schwer, hoch und lang - aber es ist so schöne Musik", schwärmt Stefanie Schaefer.

Den Weg zur Opernbühne hat ihr allerdings eine ganz andere Figur gewiesen. Mit neun Jahren war Stefanie Schaefer zum ersten Mal in der Oper ihrer. Heimatstadt Frankfurt am Main. Es lief "My fair Lady". "Ich wusste sofort: das ist es, was ich will", sagt die Sängerin.

Als sie zehn Jahre alt war, konnte sie sämtliche Rollen dieses Musicals auswendig. Wie ihre beiden älteren Schwestern sang auch sie im Kinderchor des Hessischen Rundfunks. Ihre Suche nach der richtigen Gesangslehrerin führte Stefanie Schaefer an das Frankfurter Konservatorium.
Foto: LUTZ EDELHOFF
An der Oper Wuppertal ging ihr Kindheitstraum schließlich in Erfüllung: Sie sang die Eliza in "My fair Lady". Es hat ihr tatsächlich so viel Spaß gemacht wie erhofft, obwohl sie für dafür extra Sächsisch lernen musste, weil die Eliza in der Wuppertaler Inszenierung nicht berlinern sondern sächseln sollte. "Aber wann gibt es das schon, dass ein Kindheitstraum Realität wird?", blickt die Sängerin zurück.

Als Mezzosopranistin gibt es für sie eine breite Auswahl an Charakteren zu singen. Da ist der verführende Vamp wie die Maddalena in "Rigoletto". Lieber sind ihr die sensiblen Gestalten wie Charlotte im "Werther" Aber am schwierigsten ist es, auf der Bühne wirklich witzig zu sein, weiß die Sängerin.

Ihr Mann, ihre 15-jährige Tochter und viele andere Familienangehörige leben in Frankfurt. Von all ihren Engagements aus pendelt Stefanie Schaefer in ihrer freien Zeit zurück in ihre Heimatstadt. Deshalb sieht sie das Badische Staatstheater Karlsruhe als einen Glücksfall, die Zugverbindung zur Metropole am Main ist gut.

Und wenn sie im Zug nicht neue Partien studiert, entspannt sich die Sängerin bei der Lektüre deutscher Krimis. Im Moment hat sie die Heidelberg-Krimis von Wolfgang Bur für sich entdeckt.




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